website by ibrows.ch

Obertongesang

 

KlangWelt Toggenburg vermittelt unter anderem Naturjodelmelodien und Lieder aus der Alpsteinkultur (Toggenburg und Appenzell). Im Klang der Schellen und Talerbecken kann die Welt der Naturtöne entdeckt und etwas über die weltumspannende Bedeutung der Obertonreihe erfahren werden.

Oberton- und Kehlgesangs-Interpreten beherrschen die Kunst, ganz alleine den Eindruck von Mehrstimmigkeit zu erzeugen. Manche Künstler scheinen gar über ein komplettes Glockenspiel im Rachen zu verfügen. Die zugrunde liegende Technik sei, behaupten Musiker und Gesangslehrer wie Wolfgang Saus, der ein Lehrbuch zum Thema verfasste, für jedermann erlernbar.

 

 

Kursheimat im Toggenburg für Christian Zehnder und Marcel Wick

 

Der Oberton-Künstler Christian Zehnder und Marcel Wick waren lange auf der Suche nach einer Kursheimat. Nun sind sie bei der KlangWelt Toggenburg fündig geworden.

 

Christian Zehnder - Auftritt am Klangfestival Naturstimmen 2012

 

Obertongesang hat in den letzten Jahren einen regelrechten Boom erfahren, doch die Möglichkeiten sich auf diesem Gebiet auszubilden sind eher klein. Mit dem „Zentrum für Obertongesang“ schaffen Christian Zehnder und Marcel Wick eine Basis für eine gesangspädagogisch fundierte Ausbildung.

 

Entwicklung des Obertongesangs

Der Obertongesang hat in den letzten 15 Jahren viel an Popularität gewonnen. Einerseits profitierte er durch den Boom der Weltmusik der 90er Jahre, aber auch die in Mode gekommenen Reiseländer Zentralasiens trugen dazu bei, dass das polyphone Singen sich auch immer mehr ins Bewusstsein unserer okzidentale Kultur setzt. In den 60er Jahren wurde der Obertongesang von Komponisten wie Karl Heinz Stockhausen oder La Monte Young entdeckt und nach westlichen Vorstellungen weiterentwickelt. So entstand eine Art eurasischer Stil, der sich von den asiatischen und anderen Obertongesangstechniken unterscheidet und im Gegensatz zur modalen Denkweise der Musik Asiens, mehr unserer harmonisch ausgerichteten Musikkultur entspricht.

 

Nach den experimentierfreudigen 60er Jahren verschwand das Interesse am Obertongesang wieder und wurde von der „New Age” Generation besetzt. Viele Musiker distanzierten sich von den Verklärungen und der esoterischen Gewichtung des Obertongesangs mit seinen schamanischen Wurzeln. Das Schweizer Duo ”stimmhorn” verband Mitte der 90er Jahre zum ersten Mal das musikalische Erbe der Alpen mit dem Obertongesang. Eine neue Generation von Musiker befasst sich seither vermehrt mit dem individuellen und kompositorischen Umgang dieser Gesangstechnik und versucht auf verschiedenste Weise die Techniken künstlerisch weiterzuentwickeln und in Projekten umzusetzen. Klassische Chöre, welche sich in Seminaren mit den Obertönen beschäftigt haben, verwenden die Klangfarben ihrer Stimmen bewusster und auch Solisten erfahren die Formanten und Teiltonstrukturen aus dem Obertonspektrum im Gesang als sehr bereichernd. In der Schulpädagogik stellt man allgemein fest, dass die Musik durch die Erfahrung mit Obertönen, das Bewusstsein des Gehörs sehr positiv stimuliert und die auditive Wahrnehmung sensibilisiert.

 

Fehlendes Unterrichtsmaterial

Leider fehlen bis anhin immer noch viele Grundlagen, Lehrmittel und Notenliteratur.

Es gibt für Musiker und engagierte Laien nur wenig Möglichkeiten sich fundiert und mit akademischer Ausrichtung mit dieser faszinierenden Gesangstechnik auseinanderzusetzen und auszubilden lassen.

Das „Zentrum für Obertongesang“ will einerseits Möglichkeiten schaffen, dem Neugierigen erste Einblicke in diese faszinierende Welt zu vermitteln. Andererseits soll es mittels fundierten Lehrmitteln und verschiedenen Kursangeboten, die Möglichkeit bieten, die erworbenen Fähigkeiten über das erste Erlernen von Obertönen hinaus so weit auszubilden, um in Chören, als Solist oder in der Improvisation den mannigfaltigen Möglichkeiten und Herausforderungen begegnen zu können.

Ein angehender Obertonsänger sollte sich bewusst sein, dass es den Obertonsänger so eigentlich gar nicht gibt: Die Basis ist immer der Natur- oder Kunstgesang und wird durch das Erlernen der Obertongesangstechniken lediglich klangspezifisch und technisch rigoros erweitert. Wer sich also als Obertonsänger behaupten möchte, sollte auch sonst leidenschaftlich als Sänger oder Sängerin unterwegs sein.

 

Drei Ausbildungsstufen

Die ersten Kurse, welche für das Jahr 2013 geplant sind umfassen drei Ausbildungsstufen, welche aufeinander abgestimmt sind. Im Kursangebot findet man einen Schnupperkurs, der einen Einstieg in diese Gesangstechnik vermittelt. Im Laborkurs erweitert man die Grundkenntnisse des Obertongesangs, singt erste Obertöne und vertieft die technische Arbeit. Der Werkstattkurs richtet sich an alle, welche die Grundkenntnisse des Obertonsingens beherrschen. Hier werden die Obertontechniken des Sängers verfeinert. Auch singt man hier erste Stücke in kleineren Ensembles.

Für 2014 ist ein Meisterkurs geplant, dessen Ziel es ist zum Abschluss einer intensiven Probewoche das Gelernte im Konzert aufzuführen.

 

Text: Aus Klangblatt Ausgabe 1-2013

Foto: Reto Neurauter, Naturstimmen 2012

Aktualisiert: 11.12.2012

———————————————

 

Christian Zehnder

Christian Zehnder studierte erst Jazzgitarre, bevor er ein klassisches Gesangsstudium als Bariton abschloss. Weiterbildungen in Obertongesang bei Tokne Nonaka und Körperstimmtechniken nach Alfred Wolfsohn bei Daniel Prieto führten ihn zum freien, nonverbalen Singen und in seinen ganz individuellen Musikkosmos, welcher sich oft an den Schnittpunkten von Performance und Musiktheater bewegt. Nach einer sehr erfolgreichen Zusammenarbeit mit dem Bläser Balthasar Streiff, als Duo „stimmhorn“, ist er heute mit seinen Soloprojekten mit verschiedenen Künstlern anzutreffen, u.a. Barbara Schirmer, Tobias Preisig und Anton Bruhin.

Neben seiner künstlerischen Tätigkeit hat sich Christian Zehnder sehr für die Entwicklung pädagogischer Grundlagen des Obertongesangs engagiert. Sei es als Dozent an Hochschulen oder mit Lehraufträgen bei Chören und Ensembles (u.a. Konservatorium Oslo (N), Musikhochschule Basel). Sein Interesse liegt vor allem an der Schaffung eines fundierten pädagogischen Lehrmittels im Obertongesang. www-new-space-mountain.ch

 

Marcel Wick

Nach einem Lehrerseminar mit Primarschuldiplom absolvierte Marcel Wick das Studium für Jazzgesang an der WIAM (Winterthurer Institut für aktuelle Musik) und studierte danach Chorleitung/Dirigieren an der ZHdk. Es folgen Weiterbildungen bei Christian Zehnder, Bobby Mc Ferrin and Voiceestra, New York Voices u.m.

Heute unterrichtet er an der WIAM Gesang, Chorgesang, Komposition, Improvisation, Dirigieren/Chorleitung und Obertongesang. Marcel Wick beschäftigte sich intensiv mit populärer und improvisierter Chormusik sowie mit Chormusik verschiedener Kulturen.

Seit drei Jahren arbeitet er mit Christian Zehnder zusammen und entwickelte mit ihm ein Lehrmittel für Obertongesang. Als Sänger gilt seine Leidenschaft dem Jazz, der Improvisation, dem Obertongesang, sowie anderen vokalen Experimenten und Ausdrucksformen. Er singt in verschiedenen Projekten, die Elemente des Jazz, der Volksmusik und verschiedenster vokaler Traditionen enthalten.

 

Unter dem Namen „KlangWelt Toggenburg“ werden seit 2003 Aktivitäten und Angebote zusammengefasst, welche die wichtigsten Formen der Musikkultur zwischen Säntis und Churfirsten in der Ostschweiz vermitteln: den Naturjodel, den Alpsegen, die Schellen als Elemente der Alpkultur und das Hackbrett als naturtöniges Saiteninstrument in der Tanzmusik. Kennzeichnend für diese einzigartige, in der einheimischen Bevölkerung stark verwurzelte Klangkultur sind die untemperierten Naturtöne, welche überraschende Verbindungen zu anderen Musikkulturen in Europa, Afrika und Asien herstellen. Gerade solche Brückenschläge zwischen lokaler und fremder Kultur, aber auch die Spannungsverhältnisse zwischen Tradition und Avantgarde, zwischen Spiritualität und Alltäglichkeit, zwischen freiem Experiment und strenger Form machen die Lebendigkeit von KlangWelt Toggenburg aus. KlangWelt Toggenburg bietet vielfältige Erlebnisse zum Thema Klang in Klangkursen, auf dem Klangweg, bei Klangfestivals und Konzerten, mit Klangwellness, in der Klangschmiede und in ein paar Jahren auch im Klanghaus am Schwendisee.