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Klangweg: Videobeitrag von internetTV.ch
02. September 2010

 
Klanghaus, offenes Gefäss für Musik
23. August 2010

Das Klanghaus Toggenburg gewinnt Struktur. Der Sieger des Ideenwettbewerbs, Architekt Marcel Meili, hat in Wildhaus eine erste Anschauung seines Konzepts vermittelt.

Wenn die unmittelbar auf die Präsentation folgende Rückmeldung ein Signal für die Stimmung im Toggenburg sein sollte, könnte das Klanghaus auf bestem Wege sein. Nachdem das Siegerkonzept in der vollbesetzten Mehrzweckhalle vorgestellt worden war, herrschte zunächst andächtiges Schweigen. Dann lobte ein einziger Votant den versammelten Auftritt von Kultur und Politik. «Ich bin berührt von der Sensibilität, mit der Sie sich des Projekts angenommen haben», lobte er.


Modell des Klanghauses mit parabolförmigen Wänden. Bild: pd

Dem überwältigenden Applaus nach zu schliessen, sprach er der Mehrheit aus dem Herzen. Architekt Marcel Meili referierte die Suche nach dem Klanghaus-Konzept als Resultat eines mehrmonatigen Tour d`horizon durch die volksmusikalische Schweiz. Er habe Jodelchören gelauscht, Alphornbläsern und Dorfmusiken zugehört, Orte und Landschaften besucht, an denen Natur- und Kunstklänge beheimatet sind. Ton- und Bilddokumente liessen die Besucher diese «Entdeckungsreise zur Authentizität» nachempfinden.

Hören und Klingen
Zurück am Schwendisee zeichnete sich ab, dass das Klanghaus der Musik als «offenes Gefäss» eine Bühne geben soll. Es habe sich auf den alpinen Raum zu beziehen, ohne sich einzumischen, geradeso wie ein gesungener Alpsegen. Meilis Konzept sieht vor, das rund 1000 Quadratmeter grosse Gebäude mit Y-förmigem Grundriss zu erstellen. Die drei Arme folgen den drei Achsen Schafberg, Tal und Schwendisee und öffnen jeweils einen lichten Raum. Ohrmuscheln gleich bilden parabolförmige Wände den Abschluss. In der Kreuzung der drei Arme käme ein vierter Raum zu liegen, mit eigenklingender Holztäferung.

Bauen nicht vor 2013
Kantonsbaumeister Werner Binotto zeigte sich angetan von der Qualität des Wettbewerbs, an dem fast 200 Architekturbüros teilgenommen hatten. Er betonte, dass die These Meilis noch kein Entwurf oder gar ein Projekt sei. «Da kann noch einiges ändern.» Der genaue Zeitplan für das 25-Millionen-Projekt ist noch offen. Bis Ende Jahr könnte aber ein Vorprojekt vorliegen. Dann müsste ein Projekt ausgearbeitet und darüber abgestimmt werden. Bei positivem Ausgang könnte etwa 2013 gebaut sein.

Die St. Galler Regierung räumt dem Vorhaben grosse Priorität ein, wie die Leiterin des Amts für Kultur Katrin Meier sagt. Sie verwies auf die wirtschaftlichen Aspekte namentlich im Tourismus und Gastgewerbe.

Der Initiant der Toggenburger Klangwelt Peter Roth erinnerte an die langjährige, organische Entwicklung der Klangaktivitäten im voralpinen Hochtal mit international beachteten Kursen und Konzerten.


Wie baut man für die Volksmusik?


Marcel Meili Architekt

Architekt Marcel Meili erläuterte die drei wichtigsten Erkenntnisse aus seiner Auseinandersetzung mit dem geplanten Klanghaus Toggenburg anlässlich der Thesenkonkurrenz: «Gibt es überhaupt eine Architektur für die Volksmusik?» Am Anfang habe er über Volksmusik weniger als jeder hier im Saal Anwesende gewusst. «Doch dann unternahm ich eine Naturkundereise zur Volksmusik.» Daraus habe er drei wichtige Erkenntnisse gezogen: «Die Volksmusik hat viele Räume.» Volksmusik finde nicht nur im Konzertsaal statt, sondern könne überall stattfinden: im Restaurant oder auf der Alp.

«Oder wohl sogar in einer Garage. Denn Volksmusik hat keinen Raum, vielmehr geht es dabei um die Stimmung und die Atmosphäre und den Austausch mit dem Publikum.» Weiter erkannte Marcel Meili, dass Volksmusik nicht auf eine Akustik angewiesen sei, sondern auf die bestehende Akustik reagiere. Eine wichtige Rolle spiele die Landschaft.

«Die Landschaft klingt, in ihr finden sich unendlich viele Töne, ja die Landschaft erschafft selbst Töne.» Mit Alphorn, Alpsegen oder Jodeln im Freien sei man nicht unbedingt im Einklang mit der Natur, sondern der Natur Gegenüber. Auch dem soll die These Rechnung tragen, so Marcel Meili. (kru)

Text und Bild: Reinhold Meier
© 2010 Toggenburger Tagblatt - Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung
 
Begegnung der Nomaden der Mongolei mit dem Toggenburg - Lesung/Begegnung mit Galsan Tschinag
16. August 2010

Mittwoch, 29. September, 20 Uhr,
Propstei, Alt St. Johann, freier Eintritt - Kollekte



Galsan Tschinag, Oberhaupt der Tuwa in der Westmongolei, wurde als jüngstes Kind einer hoch geachteten Nomadenfamilie im Winter 1943 geboren. Seine Vorfahren waren Ratgeber für die große Sippe, aber auch für die kasachischen Nachbarn. Während seiner 10jährigen Schulzeit, in der er die mongolische wie auch die kasachische Sprache lernte, wurden Gedichte von ihm in der Schule veröffentlicht.

Nach 10 Jahren Schulzeit verließ er seine Heimatecke im Altaigebirge, um in der Hauptstadt Ulan Bator mongolische Literatur zu studieren. Ein Stipendium brachte ihn 1962 nach Leipzig, wo er das Studium der Germanistik begann, das er als Bester seines Jahrgangs mit viel Lob 1968 abschloss. Durch die politische Wende 1990 war es ihm möglich, in Deutschland seine in deutscher Sprache verfassten Bücher zu veröffentlichen. Inzwischen sind 26 Romane, Erzählungen und Gedichtbände auf dem Markt, die in viele Sprachen übersetzt wurden.

Er ist Träger folgender Literaturpreise: Adelbert-von-Chamisso-Preis, Puchheimer Leserpreis, Heimito-von-Doderer-Preis, Aloa-Literaturpreis, Literaturpreis der deutschen Wirtschaft im BDI, TREBBIA-Literaturpreis.
Außerdem wurde ihm das Bundesverdienstkreuz am Band der Bundesrepublik Deutschland für seine Bemühungen um das Verständnis zwischen den Kulturen verliehen.

Seine große Karawane 1995 mit Tuwa-Familien, 130 Kamelen, vielen Pferden und anderen Tieren, die er 2000 km durch die Mongolei zurück in das Altaigebirge führte, brachte ihm große Anerkennung und Ruhm sowohl in der Mongolei wie auch in vielen Ländern rund um den Globus.

Seit 1992 reist er jedes Jahr nach Europa und folgt Einladungen zu Lesungen und Vorträgen, leitet Seminare, nimmt an Kongressen und Konferenzen teil, tritt im Radio und Fernsehen auf. Dabei fühlt er sich als Vertreter seiner nomadischen Welt, ebenso stark aber auch als Weltenbürger. Er ist eine Brücke zwischen Ost und West, ein gemeinsames Erzeugnis des Morgenlandes mit seinem urzeitlichen Schamanen- und Nomadentum und des Abendlandes mit seiner klassischen kulturphilosophischen Aufklärung und seinem neuzeitlichen technisch-naturwissenschaftlichen Fortschritt. Seine Bestrebung richtet sich auf eine Ergänzung der Neuzeit mit der Altzeit, wie auch der modernen Kenntnisse der Menschheit mit dem Urwissen seines zahlenmäßig zwar schwachen, aber in der Vergangenheit stark verwurzelten Volkes. Der achtsame Umgang mit der Umwelt, die einfachere Lebensweise, das liebe- und vertrauensvolle Verhalten zu den Mitmenschen, eine ständiges Miteinander, nie aber ein Gegeneinander - das sind die zentralen Themen seiner Tätigkeit. Hinzu kommt seit einigen Jahren die Realisierung einer Vision. Er will der Mongolei 1 Million Bäume schenken und ist auf einem guten Weg, dieses Ziel mit seiner Arbeit, mit Spenden und mit vielen begeisterten Unterstützern zu verwirklichen.

Galsan Tschinag lebt in der Umgebung von Ulan Bator und bei seiner Sippe im Hohen Altaigebirge.

» Förderverein Mongolei e.V., Nürtingen, in Vertretung der Galsan Tschinag Stiftung, Ulaanbaatar/Mongolei.
 
Donnerstag, 19. August: Klanghaus - Einladung zum öffentlichen Informationsanlass
16. August 2010



Im September 2009 hat das Baudepartement eine Thesenkonkurrenz für das Klanghaus Toggenburg ausgelobt. Gerne möchten wir die Bevölkerung über die Resultate der Thesenkonkurrenz und über das weitere Vorgehen auf dem Weg zu einem Klanghaus am Schwendisee informieren.

Donnerstag, 19. August 2010, 20 Uhr
Mehrzweckgebäude Chuchitobel
Steinrütistrasse, 9658 Wildhaus

Sie werden informiert von:
- Kantonsbaumeister Werner Binotto, dipl. Architekt HBK/BSA/SIA, St.Gallen
- Katrin Meier, Leiterin Amt für Kultur des Kantons St.Gallen
- Peter Roth, Musiker, Unterwasser
- Marcel Meili, Meili Peter Architekten AG

Musikalischer Rahmen:
- Annelies Huser, Naturjodel mit Hackbrett
- Umbra Curae, Kurorchester mit Andrea Kind, Susanne Bolt, Barbara Kamm
- U Cantu, Gesangstrio mit polyphonen Gesängen aus Korsika

Baudepartement des Kantons St.Gallen, Hochbauamt, Lämmlisbrunnenstrasse 54, 9000 St.Gallen
Departement des Innern, Amt für Kultur Kanton St.Gallen, Regierungsgebäude, 9001 St.Gallen
 
Weltpremiere für den «Spritzgong»
05. August 2010

Mit einem "Klangtag" in der Badi Unterwasser brachte die KlangWelt Toggenburg das Wasser zum Tönen. Vor allem Kinder probierten die verschiedenen Instrumente im 23 Grad warmen Wasser aus. Dabei feierte der "Spritzgong" von Hansheiri Haas aus Wildhaus seine Weltpremiere.

Unterwasser. "Die Gongs habe ich aus dem Brockenhaus", erklärt Haas, einer der zwölf Klangbegleiter der Klangwelt Toggenburg. Er hat sie in einem bunten Gestell neben- und übereinander aufgehängt, und nun dürfen die Kinder mit Spritzpistolen und Schläuchen darauf halten. Die entstehenden Töne sind ungewöhnlich und neu. "Darf ich denn trotzdem schwimmen gehen?", fragt eine ältere Besucherin Badmeister Hansueli Brägger.


Der Spritzgong: Besonders bei den Jüngsten kommt das Instrument gut an.

Sie darf natürlich, der Eintritt in einer der ältesten Badis der Schweiz ist heute frei – und sie lauscht neugierig den Klängen, die aus hölzernen Schalen, Kochtöpfen, Eisen- und Kunststoffrohren, Schellen und Glocken herausgeholt werden.

"Wasser-Alphorn"
Brägger selbst entpuppt sich als Meister des "Wasser-Alphorns": Aus voller Lunge pustet er in ein Rohr, an dessen unterem Ende eine Giesskanne befestigt ist, die ins Wasser getaucht wird. Der dabei entstehende Klang erinnert tatsächlich an das alpenländische Traditions-Instrument. "Lustig", lacht er.

"Wenn man den Leuten ein Instrument erklärt, interessieren sie sich viel mehr dafür und wollen es auch ausprobieren", meint Klangbegleiter Hansheiri Haas, der den Tag in der Badi zusammen mit der deutschen Physiotherapeutin Marianne Huber gestaltet. Er ist einer, der von Anfang an bei der 1993 von Peter Roth ins Leben gerufenen Klangwelt Toggenburg dabei ist.

Hunderte auf Klangweg geführt
"Die Nachfrage nach unseren Angeboten kommt so langsam in Fahrt", sagt Haas. Jeden Tag führen seine Kollegen Gäste über den Klangweg – "ein paar Hundert waren es in den Ferien" –, erteilen "Crashkurse im Naturjodeln" ("Singen kommt sehr gut an!") und die Klangbegleiter sorgen so dafür, dass sich das Toggenburg einen Namen als "Klangdestination" macht.

"Goldene Klangtage"
Und während sich in der Badi Unterwasser mehr und mehr Besucher an den unterschiedlichen Klangkörpern versuchen, freut sich Hansheiri Haas schon auf die nächsten Aktivitäten: Bei "Klang im Pool" gibt es Jam-Sessions in den Hotels Hirschen und Säntis mit Walgesängen aus Unterwasser-Lautsprechern.

Die "Goldenen Klangtag" seien vor allem etwas für ältere Gäste und Höhepunkt der "Klangschmiede" wird eine spektakuläre Feuerorgel sein – die nächste grosse Premiere bei der Klangwelt Toggenburg.

Text und Bild: rfo
© 2010 Toggenburger Tagblatt - Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung
 
Platz für neuen Klang im Haus zur Mühle
26. Juli 2010

Im Februar war der Spatenstich zum Umbau des Hauses zur Mühle – künftige Klangschmiede und Sitz der Klangwelt Toggenburg. Jetzt ist das Haus ausgeräumt und die Umgebungs-Bauarbeiten sind im Gange.

Ein Amboss steht bereits etwas quer vor der Theke des zukünftigen Klangschmiede-Shops im Haus zur Mühle in Alt St. Johann. Ansonsten erinnert noch gar nichts an die Bestimmung des Hauses als Sitz der Klangwelt Toggenburg mit Shop, Klangschmiede, Hackbrettwerkstatt, Studios für Gastkünstler und Büroräumlichkeiten.

Das Haus ist vollkommen ausgeräumt. Die blanken Strickwände aus dicken Balken liegen frei. Nägel stehen aus den Fussböden und der ehemalige Backofen – das Haus zur Mühle war zuvor eine Bäckerei – ist herausgebrochen worden. Platz für Neues. Wo einst der Klang vom Klopfen des Brotteiges vorherrschte, werden ab nächstem April Hämmer auf Ambosse schlagen, Hackbrett-Saiten vibrieren und das Wasser des Mühlrades plätschern.

Aussen-Esse und Feuerorgel
Doch bis dahin muss noch viel gebaut werden. Neben dem Haus sind schon Bäume gefällt worden. Auf dem neu entstandenen Platz soll die Aussen-Esse errichtet werden. «Für Schmiedearbeiten wie das Vermessingen ist eine sehr grosse Hitze nötig, deshalb müssen diese Arbeiten draussen erledigt werden», erklärt Alois Ebneter, Projektleiter der Klangschmiede. Den Aussenplatz soll dereinst auch eine Feuerorgel zieren. Eine Feuerorgel? «Die Pfeifen dieser Orgel bestehen aus Metallrohren. Hält man einen Bunsenbrenner an die untere Öffnung, zieht das Feuer darin nach oben und es entsteht ein Klang», erklärt Alois Ebneter.

Neues Wasserrad aus Metall
Zwischen dem Platz und dem Haus plätschert Wasser. Wie einst soll wieder ein Mühlrad für die Produktion der nötigen Energie sorgen. Das neue Wasserrad wird aus Metall hergestellt. «Ein sogenanntes oberschlächtiges Wasserrad, das eine Leistung von 5,4 Kilowattstunden erbringen wird», so Ebneter. Dies mit Wasser, das vom Zwinglipass unter der Erde zu Tal fliesst und einige Meter hinter dem Haus zur Mühle aus einer Quelle sprudelt. Rund 120 Liter Wasser pro Sekunde mit einem Gefälle von 4,6 Meter werden das Wasserrad antreiben. Über Transmissionsriemen werden die Bohrer und Schmiedehämmer in der Werkstatt angetrieben und ein Generator soll zusätzlich Strom erzeugen.


Im Erdgeschoss soll die Schmiede entstehen, ausserhalb der Rückwand kommt das Wasserrad hin.

Hinter dem Haus ist ein Graben geöffnet. Entwässerungsrohre leiten künftig das Hangwasser seitlich des Hauses ab. Zusätzlich wird vorbetoniert, damit auch sicher kein Wasser ins Innere des Hauses drücken kann.

Schindelaktion erfolgreich
Nach den Sommerferien wird gemäss Alois Ebneter dann die Aussenfassade eingerüstet. Die Schindelaktion war übrigens erfolgreich. «Wir können die Kosten der Schindeln und der Schindel-Arbeiten aus dem Erlös der Verkaufsaktion decken», sagt der Projektleiter. Die gesamten Baukosten, inklusive dem neuen Mühlrad, betragen 1,64 Millionen Franken. Das Gesamtbudget der Klangschmiede ist 2,37 Millionen Franken. In diesem Betrag sind auch die Kaufsumme sowie die weiteren Projektkosten enthalten.

Ehemaliger Kühlraum
Innen, im Erdgeschoss, bietet ein hoher gemauerter Raum Platz für die Schmiede. «Vor etwa dreissig Jahren war hier der Kühlraum der Gemeinde untergebracht. Die Einwohnerinnen und Einwohner konnten sich hier Gefrier-Platz mieten», sagt Alois Ebneter. Ebenfalls im Erdgeschoss ist der Klangschmiede-Shop geplant. Im ersten Stock wird die Hackbrettwerkstatt eingerichtet. Der alte Ofen ist aus der ehemaligen Backstube bereits verschwunden. Hier soll in den Anfängen gar unerlaubt ein Backofen installiert worden sein, erzählt Alois Ebneter.

Alte Elemente erhalten
In der kleinen Holzwerkstatt allerdings sind noch viele alte Werkzeuge und Gestelle vorhanden. Auch der künftige Hackbrett-Bauer wird hier mit Holz arbeiten. Überhaupt sind da und dort noch alte Elemente des Hauses zu sehen – eine Tapete, der Kachelofen oder auch Möbelstücke. «Das Haus steht unter Denkmalpflege. Wir wollen zwar erneuern, aber auch erhalten», sagt Alois Ebneter.

Im zweiten Stock entstehen Klangexperimentier-Räume, Studios für Gastschmiede und Gastkünstler sowie die neuen Büroräume für die Verwaltung der Klangwelt Toggenburg.

Geschichte aufarbeiten
Die erste urkundliche Erwähnung des Hauses zur Mühle in Alt St. Johann war 1536. Das Haus gehörte damals zum Kloster St. Johann. Die lange Geschichte der Liegenschaft wird vom Ebnat-Kappler Kunsthistoriker Jost Kirchgraber aufgearbeitet. «Eine kleine Publikation dazu ist geplant», verrät Alois Ebneter. Aus seinen Erzählungen lässt sich schliessen, dass im Haus wohl noch die eine oder andere interessante Geschichte schlummert. Ein weiteres Kapitel folgt im nächsten April. Verläuft alles nach Plan soll die Klangschmiede dann eröffnet werden.

Text und Bild: Katharina Rutz
© 2010 Toggenburger Tagblatt - Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung

 
Dienstag, 3. August: Klang im Pool - Klangtag in der Badi Unterwasser
19. Juli 2010

Am 3. August 2010 (Verschiebedatum 4. oder 5. August) veranstalten wir einen nassfröhlichen Klangtag in der Badi Unterwasser. Verschiedene Instrumente und Spiele im Wasser erzeugen neue und ungewohnte Töne mit dem flüssigen Element. Gemeinsam mit den Klangbegleitern entwickeln wir uns zum grossen Wasserorchester. Spass ist garantiert für Alt und Jung, lassen Sie sich überraschen.



Die Klangspiele finden von 10.00 – 16.00 Uhr statt. Der Eintritt in die Badi und die Klangspiele sind kostenlos.
Es ist keine Reservation notwendig.
 
Der Vorjodler in Sachen Struktur
14. Juli 2010

Die Klangwelt Toggenburg hat mit Hans Bütikofer einen neuen Präsidenten, der zwar nicht in einem Jodelclub mitsingt, dafür aber mit den politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen im Kanton St. Gallen bestens vertraut ist.

Seit März sind Sie Präsident des Vorstandes der Klangwelt Toggenburg. Hatten Sie bereits vorher einen Bezug zur Klangwelt?

Hans Bütikofer: Als ehemaliger Präsident von Toggenburg.ch hatte ich mit vielen Organisationen der Region eine bestimmte Beziehung. Zudem bin ich seit Februar 2009 Mitglied des Stiftungsrates der Klangwelt Toggenburg. Die Klangwelt insbesondere erachte ich als Erfolgsgeschichte in den letzten sieben Jahren im Toggenburg.

Eine Erfolgsgeschichte, weshalb?
Hans Bütikofer: Weil die mehr oder weniger in Miliztätigkeit engagierten Macher der Klangwelt mit einem enormen Aufwand ein wertvolles Angebot für Besucherinnen und Besucher geschaffen haben.

Weshalb haben Sie sich für dieses Amt entschieden?
Hans Bütikofer: Ich bin schon lange überzeugt, dass im Toggenburg wesentliche Ressourcen vorhanden sind, die aktiviert werden sollten. Die Klangwelt ist eine davon. Sie ist bereits ein wirtschaftlicher Faktor im Toggenburg und kann sich vor allem in dieser Hinsicht – obwohl eine Kulturorganisation – noch entwickeln.

Obwohl die Klangwelt massgeblich vom Kanton St. Gallen unterstützt wird, zum Beispiel mit einem jährlichen Betriebsbeitrag von einer viertel Million Franken?
Hans Bütikofer: Im kulturellen Bereich gibt es nur wenige Institutionen, die finanziell völlig unabhängig sind. Jedoch profitieren die Hotellerie, die Gastronomie und der Tourismus allgemein von der Klangwelt. Der Klangweg beispielsweise generiert heute gegen 60 000 Besucherinnen und Besucher pro Jahr, von denen insbesondere auch die Bergbahnen profitieren.


Hans Bütikofer führt als Präsident der Klangwelt Toggenburg seit März den Verein auf strategischer Ebene.

Und was passiert, wenn der Kanton einmal nicht mehr so grosszügig ist?
Hans Bütikofer: Die Klangwelt existiert nicht nur aufgrund der öffentlichen Beiträge, sie generiert auch eigene Erträge. Natürlich ist man in der Entwicklungsphase sehr froh um die kantonalen Beiträge. Renommierte Museen erhalten ebenfalls öffentliche Beiträge. Kultur ist auch eine öffentliche Aufgabe. Das Fernziel oder vielleicht meine Vision allerdings ist eine wirtschaftlich eigenständige Klangwelt Toggenburg. Meine Gedanken kreisen oft darum, was wir tun können, um einen möglichst hohen Eigenwirtschaftlichkeits-Grad zu erreichen.

Erachten Sie die finanzielle Abhängigkeit vom Kanton als Schwäche der Klangwelt?
Hans Bütikofer: Natürlich kann man dies von aussen als Schwäche betrachten, jedoch ist die Abhängigkeit nicht dominierend. Die Klangwelt würde auch ohne Kantonsbeiträge existieren. Fragen müsste man sich, welche der aktuellen Projekte dann nicht umsetzbar wären.

Hat die Klangwelt andere Schwächen?
Hans Bütikofer: Die Klangwelt war vorwiegend eine Laienorganisation, was bisher auch gut funktionierte. Mit der weiteren Entwicklung der Klangwelt braucht es hier jedoch Änderungen. Als Schwäche würde ich dies nicht bezeichnen, allerdings besteht ein gewisser Handlungsbedarf.

Die Klangwelt soll also weiter wachsen?
Hans Bütikofer: Es ist gar nichts anderes möglich, als unsere Produkte laufend anzupassen und weiterzuentwickeln. Wir haben eine ganze Reihe an Aufgaben mit Blick auf eine Weiterentwicklung. Dazu gehört die Klangschmiede – ein interessantes Objekt, das jedoch eine klare Struktur braucht. Auch bei Klangwellness gibt es einiges zu tun. Das Produkt Klangwellness kommt zwar an, jedoch muss auch das Rundherum stimmen. Auch beim Klanghaus-Bau müssen wir die Ideen der Region und des künftigen Nutzers beim Bauherren, dem Kanton St. Gallen, einbringen. Die Zusammenarbeit mit dem Kanton funktioniert übrigens bisher ausgezeichnet. Bestehende Objekte wie der Klangweg sollen weiterentwickelt werden. Es gibt zum Beispiel thematische Erweiterungsmöglichkeiten. Ich könnte mir zum Beispiel eine Klangwegerweiterung in Kombination mit dem Thema Kneipp vorstellen, andere thematische Möglichkeiten werden beraten. Zudem ist die Klangforschung ein künftiges Thema der Klangwelt Toggenburg. Das erfolgreiche erste Jodelsymposium bewies das Potenzial der Klangforschung im Toggenburg, wo ein vertieftes Wissen zum Klang vorhanden ist.

Was können Sie persönlich in die Klangwelt einbringen?
Hans Bütikofer: Durch meine bisherigen Engagements für die Öffentlichkeit, sei dies in der Kantonspolitik oder als Präsident von Toggenburg.ch lernte ich die Verhältnisse im Kanton St. Gallen und dem Toggenburg sehr gut kennen. Ich erlebte, was im Toggenburg möglich ist und ich bin überzeugt, dass im Toggenburg noch mehr machbar ist. Aus dieser Überzeugung kann ich massgeblich – zusammen mit den bisherigen Trägern der Klangwelt – zur Entwicklung der Organisation beitragen.

Welches sind Ihre Aufgaben als Präsident der Klangwelt?
Hans Bütikofer: Auch Kulturinstitutionen brauchen auf die Dauer eine effiziente Organisation. Innerhalb des Vorstandes haben wir eine klare Aufgabenteilung, wenngleich wir natürlich wie eine Kollegialbehörde funktionieren. Meine Schwergewichte sind strukturelle und organisatorische Fragen, die Zusammenarbeit nach aussen, die Pflege des Netzwerkes. Aktuell sind wir auch damit beschäftigt, eine verstärkte Professionalisierung anzustreben auch mit Blick auf kommende Projekte, wie zum Beispiel die Klangschmiede oder längerfristig das Klanghaus.

Die Klangwelt operiert vor allem im oberen Toggenburg. Sie sind ein Neckertaler. Weiten Sie die Klangwelt nun auf das ganze Toggenburg aus?
Hans Bütikofer: Jeder Neckertaler ist auch ein Toggenburger, das Neckertal ist ein Teil des Toggenburgs. Ich mache hier keinen Unterschied. Das Toggenburg hat sich – auch touristisch – das Thema Klang auf die Fahne geschrieben. Jeder findige Kopf – nicht nur im oberen Toggenburg – kann Ideen einbringen und dazu beitragen, das Toggenburg national und sogar international als Klanghochburg zu positionieren. Eine effiziente Zusammenarbeit in der ganzen Region ist für mich zentrales Ziel.

Ist bereits ein neuer OK-Präsident für das Naturstimmen-Festival gefunden und findet es wieder statt?
Hans Bütikofer: Das Naturstimmen-Festival war auch in diesem Jahr ein Erfolg, es findet selbstverständlich wieder statt. Die organisatorischen Fragen sind Teil der Beratungen im Verein Klangwelt.

Singen Sie selber auch?
Hans Bütikofer: Nein, das würde kaum zum Erfolg beitragen. Ich bin natürlich ein Konsument der künstlerischen Seite der Klangwelt und bringe mehr die wirtschaftliche und organisatorische Seite einer solchen Organisation ein. Als Vorjodler werden sie mich kaum erleben, abgesehen davon, dass die Klangwelt Toggenburg sich natürlich auf einem viel breiteren künstlerischen Spektrum bewegt. Die Klangwelt Toggenburg wird auch inskünftig vielfältige Erlebnisse zum Thema Klang in Kursen, auf dem Klangweg, bei Festivals und Konzerten, mit Klangwellness, in der Klangschmiede und in wenigen Jahren auch im Klanghaus bieten.

Interview und Bild: Katharina Rutz
© 2010 Toggenburger Tagblatt - Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung
 
KlangHaus Toggenburg: Meili, Peter als Architekten gewählt
05. Juli 2010

So ungewöhnlich die Bauaufgabe und der Ort, so ungewöhnlich war das Verfahren zur Auswahl der Architekten: Für die Planung des Klanghauses am idyllischen Schwendisee wurde kein Projektwettbewerb, sondern eine Thesenkonkurrenz ausgeschrieben. Die Zürcher Architekten Marcel Meili und Markus Peter haben diese für sich entscheiden können.

Das KlangHaus wird der wichtigste Ort der KlangWelt Toggenburg, die sich der Wechselwirkung von Klang und Ort, von Musik und Landschaft verschrieben hat und diese auf lebendige Weise erfahrbar machen will. Entstanden auf Initiative des Musikers und Komponisten Peter Roth, der 1993 am Schwendisee mit Kursen zur lokalen Musikkultur, insbesondere zur Naturtonmusik, begann, ist die Klangwelt längst zu einer Institution mit breit gefächertem Angebot und überregionaler Ausstrahlung geworden, die Musikinteressierte aus aller Welt und Ausflügler gleichermassen anzuziehen vermag. Ihren Brennpunkt wird das KlangHaus bilden, ein Ort mit exzellenter Akustik für Forschung und Experiment, für Kurse und Proben, für Klausur und Begegnung, dessen räumlicher Bezug zum Schwendisee die Intensität der musikalischen Auseinandersetzung inspirieren wird. Das KlangHaus wird am Schwendisee oberhalb des Dorfes Unterwasser stehen, an der Schwelle zwischen dem Siedlungsraum des Toggenburgs und dem Naturraum der Churfirsten.

Um diese besondere Bauaufgabe an besonderem Ort präzise charakterisieren zu können, war auch ein besonderes Mass an Spielraum nötig. Im Rahmen der Thesenkonkurrenz war deshalb nicht ein Projekt gefordert, sondern eine These; eine Strategie also, in welches Verhältnis Architektur und Klang gebracht werden sollten, aber auch Architektur und Landschaft. Könnte die Architektur gar vermitteln zwischen der Landschaft und den Klängen, die darin entstehen?

Thesenkonkurrenz mit namhaften Bewerbern
Im September 2009 schrieb das Baudepartement eine Thesenkonkurrenz im selektiven Verfahren öffentlich aus und stiess damit auf grosse Resonanz: 90 Bewerber aus dem In- und Ausland reichten ihre Anträge ein, von denen das Preisgereicht schliesslich sechs zur Teilnahme einlud:

SANAA, Tokio, Japan
Miller & Maranta Architekten ETH BSA SIA AG, Basel, Schweiz
Marcel Meili, Markus Peter Architekten AG, Zürich, Schweiz
Caruso St John Architects LLP, London, England
Steven Holl Architects, New York, USA,
Snohetta, Oslo, Norwegen

Alle Teilnehmenden reichten ihre These termingerecht und vollständig ein und stellten diese dem Preisgericht im April 2010 persönlich vor. Im Mai 2010 trat das Preisgericht zusammen, um die Thesen nach den ausgeschriebenen Kriterien zu beurteilen. Nach eingehender Diskussion wurde mit grossem Mehr beschlossen, dem Auftraggeber das Team Marcel Meili, Markus Peter Architekten für die weitere Planung und Realisierung des Klanghauses zu empfehlen. Ihre These vermochte das Preisgericht am umfassendsten zu überzeugen. Die grosse Einfühlung in die Aufgabe belegt die Neugier und das Interesse der Architekten ebenso wie ihre Kenntnis vom geografischen und vom kulturellen Ort. Die Erkenntnisse, die im Verlauf der Entwicklungsarbeit zusammengetragen wurden, sind präzise, mitunter höchst überraschend und ausgezeichnet kommuniziert, was gerade im Hinblick auf die anstehende, lange Zusammenarbeit besonders gewürdigt wurde. Das Baudepartement beabsichtigt, Meili Peter Architekten mit der Planung und Ausführung der Aufgabe zu beauftragen.

Originalität und Tiefe der These
Marcel Meili und Markus Peter haben sich sehr ausführlich mit verschiedenen Formen der Volksmusik beschäftigt und kommen dabei zu Einsichten, deren Originalität und Tiefe von der Kraft dieser ethnologischen Erfahrung in einer ihnen‚ kaum bekannten Welt zeugen. Diese Musik, betonen die Architekten, habe – im Gegensatz zur komponierten Musik – keine kanonischen Räume und keine Instrumente mit dem vermeintlich perfekten Ton, weil sie auf jenen Raum, jenes Publikum und jene Stimmung reagieren, wo die Musik entsteht.

Das architektonische Objekt, das hier vorgeschlagen und bereits präzise vor Ort situiert wird, bezieht seine Form aus akustischen Überlegungen. Parabolische Wände sollen die Töne der Landschaft bündeln, aber auch Töne in die Landschaft reflektieren. Natürlich wird dadurch auch der Blick aus dem Innern in die Landschaft geleitet, aber Seh- und Hörsinn halten sich in dieser These die Waage. Gerade dieser letzte Aspekt, das Ineinandergreifen von Optischem und Akustischem, wurde für die Entwicklung eines Hauses für den Klang besonders gewürdigt.

Architekten finden grosse Beachtung
Die Bauten und Entwürfe der Zürcher Architekten Marcel Meili und Markus Peter finden im In- und Ausland grosse Beachtung. Zu den bekanntesten gehören etwa das "Centre for Global Dialogue" der Swiss Re in Kilchberg, die Schweiz. Holzfachschule in Biel, der Entwurf für das Hardturmstadion in Zürich oder der jüngst vollendete italienische Hauptsitz der Helvetia-Versicherung in Mailand. Kennzeichnend ist die vertiefte Auseinandersetzung mit der Wechselwirkung von Architektur und Konstruktion, aber auch das Interesse am weiteren Kontext, innerhalb dessen sich "Architektur" abspielt. So beschäftigt sich Marcel Meili im Rahmen seiner Professur am ETH Studio Basel mit Fragestellungen zur Wechselwirkung von Planung, Städtebau und Architektur, die er etwa im Rahmen der viel beachteten Buchpublikation "Die Schweiz – ein städtebauliches Portrait" (2006) ausführte. Auch Markus Peter lehrt an der Eidgenössischen Technischen Hochschule.

Öffentlicher Informationsanlass
Am 19. August 2010 wird ein öffentlicher Informationsanlass in Wildhaus durchgeführt, um über die Resultate der Thesenkonkurrenz und über das weitere Vorgehen zu informieren. Die siegreichen Architekten werden ihre These der interessierten Bevölkerung und den Medien vorstellen.

Nach dem Thesenverfahren gilt es nun, zusammen mit dem Auftraggeber und den Nutzern das Vorprojekt zu entwickeln. Bis Frühling 2012 wird anschliessend das Projekt mit einer Kostenschätzung erarbeitet. Die Volksabstimmung soll im Frühling 2013 stattfinden.
 
Das Leben ist Klang: Schritte auf dem Klangweg und mehr
26. Juni 2010

Zwischen der Alp Selamatt und dem Oberdorf ob Wildhaus schlängelt sich der Klangweg über Alpen und durch Wälder. Die Klangwelt Toggenburg bietet aber noch viel mehr.

Mitten im Wald steht ein Eisengerüst, daran hängen an Ketten Kuh- und Geissenschellen. Den Blick in die Baumwipfel gerichtet, lauschen wir den verschiedenen Tonlagen der Schellen. Eine der 22 Stationen auf dem Panoramaweg. Bei der vielleicht eindrücklichsten, der «Klangmühle», handelt es sich schon fast um eine Kunstinstallation: Eine stehende mannshohe Trommel, mit Saiten bespannt, dreht sich, ein Bassgeigenbogen erzeugt meditative Töne und Obertöne.

Ruhe durch Schwingungen
Einzigartige Klangerlebnisse, die Herz, Seele und Verstand ansprechen – die Gäste sollen über Schwingungen von Klängen zur Ruhe kommen und daraus Inspiration für den Alltag schöpfen, das sind die Ziele, welche sich die Initiatoren der Klangwelt gesetzt haben. Zu diesem Ziel führen viele Weg: Viel Beachtung hat die Klangwelt Toggenburg mit dem Projekt des Klanghauses am Schwendisee erhalten. Nach einigen politischen Wirrungen scheint es nun vorwärts zu gehen.

Eine zweite Säule der Klangwelt sind die verschiedenen Festivals: Saitenwind, Rockbrett und vor allem Naturstimmen. Allen drei Konzertreihen ist das Experiment eingeschrieben. Insbesondere das im Zweijahresrhythmus stattfindende Klangfestival Naturstimmen schlägt Brücken in ferne Länder – etwa nach Südafrika, Tibet, Russland, Iran, Serbien, Norwegen, Nagaland-Indien, Korsika.

Die Klangwelt Toggenburg vermittelt daneben Naturjodelmelodien und Lieder aus der Alpsteinkultur; im Klang der Schellen und beim Talerschwingen entdecken Festivalbesucherinnen und -besucher darüber hinaus die Welt der Naturtöne und sie bekommen eine Ahnung von der weltumspannenden Bedeutung der Obertonreihe. Die Konzerte werden jeweils von Workshops begleitet.

Allerdings: Das letzte Klangfestival Naturstimmen fand eben erst statt; wen wir jetzt gluschtig gemacht haben, muss also etwas Geduld aufbringen.

Eigene Erfahrungen machen
Wer keine zwei Jahre warten mag, dem seien die Klangkurse empfohlen. Eigens ausgebildete Klangbegleiterinnen und -begleiter führen Interessierte in den Naturjodel, in den Obertongesang oder in neuartige Musikinstrumente ein. Ein neuer Trieb, den die Klangwelt Toggenburg trieb, ist der Bereich Klangwellness. Zusammen mit den Toggenburger Touristikern wurden in den vergangenen Monaten neue Angebote zur Erholung und Entspannung mit Klang geschaffen.

Text: Guido Berlinger-Bolt
© 2010 Appenzeller Zeitung - Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung
 
Klang erleben, bis «di fiine Höörli ufstönd»
21. Juni 2010

Es kribbelt. Erst nur in den Fingerspitzen, dann in beiden Unterarmen, schliesslich durchströmt ein wohliges Gefühl den ganzen Körper und langsam richten sich die feinen Härchen an meinen Armen und dem Nacken auf. Meine Hände gleiten über die Saiten der Tabula Sonora, einer Entspannungsklangliege. Die Schwingungen der gleichgestimmten Saiten überträgt sich auf den Körper der Person, die sich von den Klängen berieseln lässt, ebenso wie auf die Person die sie zum Klingen bringt.

Zusammen mit 35 Personen aus dem Süddeutschen Raum und der Region Ostschweiz verbringe ich einen Testurlaub in Unterwasser und Wildhaus. Untergebracht sind die Gäste in den Hotels Sternen, Säntis und Stump´s Alpenrose in Unterwasser und dem Wildhauser Hotel Hirschen. Ziel dieser Aktion ist, das im Herbst 2009 von Klangwelt Toggenburg und Toggenburg Tourismus lancierte Angebot Klangwellness einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen, zu erfahren, wie das Angebot bei den Gästen ankommt und Verbesserungsmöglichkeiten zu ermitteln.

Klangerfahrungen vermitteln

Rund 1000 Interessierte haben sich auf die Ausschreibung in verschiedenen Zeitungen im In- und Ausland gemeldet. 160 Personen (aufgeteilt in drei Gruppen, die an unterschiedlichen Daten den Testurlaub verbrachten) wurden von Klangwelt und Toggenburg Tourismus ausgewählt. «Wichtig bei der Auswahl der Testpersonen war uns, dass sie eine Affinität zur Musik, Wellness oder der Natur haben und somit fundiert Auskunft über das Erlebte geben können», erklärte Andreas Müller, Geschäftsleiter von Klangwelt Toggenburg.


Klangbegleiter Hans Heiri Haas erklärt die Wirkungsweise der Klangliege Tabula Sonora.

Das Konzept von Klangwellness beinhaltet die Vermittlung von Klangerfahrungen in aktiver und passiver Form. Naturjodelkurse, geführte Wanderungen auf dem Klangweg, Entspannung auf der Klangliege oder durch meditative Klangreisen sollen den Gast in die Welt der tönenden Schwingungen eintauchen lassen, ebenso wie Vorträge über Natur- und Obertöne oder Klangspiele im Pool.

Es ist schwierig ein so komplexes Angebot in wenigen Worten zu umschreiben und effektiv zu bewerben, erläuterte die Direktorin von Toggenburg Tourismus Christine Bolt: «Am besten ist es, wenn es die Gäste selbst ausprobieren und so Freunden und Bekannten von ihren Erfahrungen berichten können.»

Trotz Regen ganz entspannt

Schon wieder streben meine Härchen himmelwärts.
Diesmal ist der Grund aber um einiges banaler als bei der Tabula Sonora: Ein eiskalter Regentropfen bahnt sich entlang meiner Wirbelsäule seinen Weg Richtung Becken. Es schüttet wie aus Kübeln an diesem Samstagmorgen und vor mir schliessen deutsche Mittester auf dem Klangweg vom Iltios ins Oberdorf ersten Kontakt mit der heimischen Fauna: Eine Kuh steht mitten auf dem schmalen Pfad und beäugt neugierig unser buntes Grüppchen.

Schirme und Regenbekleidung in allen Farben heben sich bunt vom grauen Himmel ab und spiegeln die Stimmung der Wandernden wider: Keine Spur von Miesepetrigkeit, unterwegs wird geplaudert gescherzt und viel gelacht. Die Entspannungsbehandlung auf der Klangliege am Vorabend scheint ganze Arbeit geleistet zu haben. Zumindest sind alle, mit denen ich mich darüber unterhalten habe, restlos begeistert davon.

Es berührt einem einfach
Klangbegleiter Matthias Ammann führt uns kompetent in die Besonderheiten der Instrumente entlang des Weges ein. Besonders die obertonreichen Weisen der Klangmühle im urigen Alpstall-Ambiente haben es den Testurlaubern und mir angetan. Mit geschlossenen Augen lauschen wir den summend-schnarrenden Klängen des Saiteninstrumentes und spüren wie die Tonvibrationen bis ins Innerste des Körpers vordringen. Es fühlt sich an, als ob selbst die Eingeweide in feine Schwingung versetzt würden.

Matthias Ammann stimmt einen Naturjodel an und einige setzen mit ein. «Wenn´s eu die fiine Höörli ufstellt, denn isch´s richtig guet», kommentiert Matthias Ammann das Geschehen und fügt hinzu: «Natur- und Obertöne sind bei fast allen Naturvölkern zu finden. Sie berühren die Menschen seit jeher. Man kann wissenschaftlich nicht nachweisen warum das so ist, aber irgendwie berühren sie uns einfach.»

Bestens ausgebildete Begleiter
Die Ausbildung zum Klangbegleiter dauert 30 Tage, die während eines Jahres absolviert werden müssen. Rhythmik, der Bau eines Saiteninstrumentes und die Führung mentaler Klangreisen stehen dabei ebenso auf dem Stundenplan, wie die Bedienung der mechanischen Klangrelaxliege oder das Geben von Naturjodel- und Liedkursen.

«Voraussetzung für die Arbeit als Klangbegleitung sind Musikkenntnisse und das Wissen um regionale Besonderheiten», zeigt Matthias Ammann auf. Obwohl alle Klangbegleiterinnen und Klangbegleiter den gleichen Lehrgang absolvieren, werden sie anhand ihrer persönlichen Stärken und Vorlieben eingesetzt.

Es «chuedreckelet»
Die Stimmbänder vibrieren und der kehlige Gesang geht durch Mark und Bein. «Es chuedreckelet», wie es Klangbegleiter Hans Heiri Haas nennt. Die Kunst des Naturjodelns bringt uns Hansruedi Ammann näher. Unter der Anleitung des Toggenburger Originals lernen wir, was es mit dem «Gradhebä» auf sich hat. Schon wieder läuft mir dieser wohlige Schauer über den Rücken und Gänsehaut macht sich bemerkbar. Beim Blick in die Runde wird klar, dass es auch anderen so geht wie mir und auch die Tatsache, dass sie noch einen Jodel und dann noch einen anstimmen wollen, spricht für sich.

Klangwellness kommt gut an
Die Meinungsauswertung der Testtage erfolgte mit einer Diskussionsrunde am Schluss des Aufenthaltes und mittels eines Fragebogens. «Grundsätzlich hatten wir von allen drei Gruppen gutes, bis sehr gutes Feedback bezüglich der Angebote von Klangwellness», freut sich Andreas Müller. Als Verbesserungsmöglichkeit konnte aus den Erfahrungsberichten ermittelt werden, dass der Wunsch nach Anfänger- und Fortgeschrittenenkursen besteht – je nach vorhandenen Vorkenntnissen der Gäste, erklärte der Geschäftsleiter von Klangwelt Toggenburg. Viele der Testurlauber brachten als Anregung ein, dass das Thema Klang in den beteiligten vier Hotels noch besser ersichtlich sein müsste. Die Gäste wünschen sich eine stärkere Ausrichtung hin zum Thema Klang.

Text und Bild: Conny Oberholzer
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Schöne Bilder, starke Emotionen, markige Worte
26. Mai 2010

Das Naturstimmen Klangfestival – schön, eindrücklich und berührend war es. Es war ein arrangiertes Potpourri in dem trotzdem vieles dem Zufall überlassen war. Denn nicht alles kann choreographiert werden, wie beispielsweise das Wetter eindrücklich zeigte. Am Auffahrtswochenende kam es gar garstig daher, an Pfingsten zeigte es sein wahres, sonniges Gesicht.

Doch dem beseelten Geist in den Konzerträumen, in den Workshops und in all den kleinen und grossen Zirkeln in den Beizen, in der Klang-Bar oder bei Spaziergängen konnten Regen und Schnee nichts anhaben.

Markige Worte
Dem garstigen Auffahrtswetter wurden ganz einfach schöne Bilder entgegengehalten. Schöne Bilder auf der Bühne (internationale Trachten von Südafrika bis Russland) wechselten mit mitreissenden Jam Sessions (La mal coiffée aus Frankreich und Ubuhle be Afrika aus Südafrika) in der Festivalbeiz. Markige Worte: «Singen macht glücklich, Jodeln bestimmt auch» (Dr. Matthias Echternach am Jodelsymposium) wechselten mit kritischen: «Die Schweiz ist das einzige Land, das die Volksmusik reglementiert» (Moderatorin Nina Brunner an Podiumsdiskussion) und belächelten Ausreden: «Ich kann in der Tracht nicht Geige spielen» (Christine Lauterburg).


Munter und überaus gut gelaunt, doch eine gewisse Melancholie liegt ständig über den Gesängen der russischen Familja Tradycia

Bandbreite der Emotionen
Schwebende Melancholie über den Gesängen der russischen Familja Tradycia am Sonntagabend wechselte mit fröhlichen Kinderliedern und zotigen Witzen am Nachmittag davor. Die nonverbalen Gesänge der einheimischen Naturjodler gingen ebenso unter die Haut wie die buddhistischen Mantras aus dem Mund der Tibeterin Dechem Shak-Dagsay.

Doch den schönsten Satz des ganzen Naturstimmen-Festivals gaben die serbischen Zwillinge der Gruppe «zwei Männer – eine Stimme» Ratco und Radisa Teofilovic von sich: «Für uns ist das Singen ein Geschenk des Himmels, das wir ernsthaft und respektvoll behandeln wollen.»

Text und Bild: Michael Hug
© 2010 Toggenburger Tagblatt - Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung
 
Acht von zehn Konzerten ausverkauft
26. Mai 2010

Das vierte Naturstimmen Klangfestival war das letzte des OK-Chefs Andreas Roth. Gestern zog er sein Fazit über die vergangenen 13 Festivaltage.

Andreas Roth zeigte sich zum Festivalabschluss gutgelaunt: «Das Zuschauerinteresse war enorm. Wir konnten insgesamt 5200 Konzerteintritte verzeichnen. Dabei sind nur zwei Konzerte von zehn nicht ausverkauft gewesen.» Damit sei die vierte Durchführung des Festivals bisher die erfolgreichste, was Roth darauf zurückführt, dass sich langsam aber stetig jenes überregionale Publikum herausschäle, das man eigentlich ansprechen wolle.

200 Personen hätten die Workshops besucht, 260 wollten sich auf die Klangspaziergänge und bei den Klangerlebnissen führen lassen. «Rund 300 Interessierte waren bei den Referaten unserer kompetenten Redner dabei, das werte ich als ganz erfreulichen Erfolg.» Die Bedeutung des Festivals spiegelt sich auch im Interesse der Medien, dazu Roth: «Zum Höhepunkt schafften wir es sogar am Samstagabend in die Tagesschau.»

Ein Bedürfnis
Dass das erstmals durchgeführte Jodelsymposium einem Bedürfnis entspricht, zeigten rund 80 Personen, die am Samstag vier Referate, vier Workshops und das abendfüllende Jodelkonzert besuchten. Nadja Räss, Initiantin des Symposiums: «Wir wollten aufzeigen, um was es eigentlich geht und was sich in der Szene tut. Dabei wollten wir nicht vermischen, sondern die Vielfalt dieser Musik zeigen.» Das Jodelkonzert vom Freitagabend war denn auch das einzige, bei dem es am Schluss nicht zu einem gemeinsamen Auftritt kam, von der gemeinsamen Verbeugung mal abgesehen.

Tausend Übernachtungen
An 13 Festivaltagen wurden rund 400 internationale Sängerinnen und Sänger empfangen und betreut. Ein grosser Teil dieser Künstler weilte einen Tag oder mehr im Toggenburg. Einige kamen bei Familien unter, andere im Hotel, wieder anderen musste ein Dolmetscher zur Seite gestellt werden. Roth: «Wir haben der Hotellerie rund 1000 Übernachtungen gebracht.» Ausserordentlich dankbar ist Roth seinen Helfern: «Wir sind neun Personen im OK und 25 Helfer, davon arbeitet die Hälfte völlig unentgeltlich. » 350 000 Franken beträgt das Budget des Festivals. Beim fünften Naturstimmen-Festival vom 16. bis 28. Mai 2012 wird Andreas Roth nicht mehr OK-Chef sein – er beginnt ein Studium in Luzern.

Text: Michael Hug
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Erfolgreich ausgeklungen
25. Mai 2010

Das Klangfestival Naturstimmen in Alt St.Johann ist gestern ausgeklungen. Der Veranstalter ist rundum zufrieden. Die zehn Konzerte waren praktisch ausgebucht.

6100 Besucher wollten sich die Konzerte, Referate, Workshops, Klangerlebnisse und das erstmals durchgeführte Jodelsymposium nicht entgehen lassen. 400 Musikerinnen und Musiker aus zehn Ländern boten ein breites Spektrum an Naturklängen, und im Obertoggenburg gab es dadurch 1000 zusätzliche Übernachtungen. Am Ende fast jeden Konzerts kam es zu gemeinsamen Auftritten, eine Standing Ovations wurde zur Regel.

Das Budget für die Veranstaltung «Naturstimmen» beträgt 350000 Franken. «Es hat sich gelohnt, zehn statt acht Konzerte anzubieten», zieht OK-Präsident Andy Roth das Fazit, es sei ein guter Mix zwischen steter Auffrischung und Beibehaltung der traditionellen Gesänge gewesen. «Und der Kulturaustausch zwischen den einzelnen Gruppen war sehr intensiv», so Roth, die einheimischen Chöre haben diesen Austausch auch angenommen.


Wo (fast) alles möglich ist: Am Klangfestival in Alt St.Johann trifft Techno-Jodlerin Christine Lauterburg auf Toggenburger und Appenzeller Jodler

Auch nach diesem vierten Festival sei klar, dass man sich immer wieder erneuern müsse, «gleichzeitig darf aber der ursprüngliche Sinn nicht verloren gehen, nämlich verschiedenen Kulturen einander und den Besucher näher zu bringen», so Roth.

Erstmals gabs im Rahmen der hoch stehenden Konzerte eines für Kinder von Kindern. «Dieses muss sich noch etablieren», so Roth, «aber es entspricht ganz dem Sinne des Festivals, dass man auch innerhalb der Schweiz andere Kulturen wahrnimmt, und dass wird den Nachwuchs fördern.»

Text und Bild: Reto Neurauter
© 2010 Werdenberger & Obertoggenburger - Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung
 
Heimat diesseits und jenseits der Alpen
25. Mai 2010

Peter Roth nahm das Publikum am Naturstimmen-Festival am Samstagabend mit auf eine musikalische Reise über die Alpen. Mit «Alptransit – eine Klangreise» begeisterten die Korsen von A Cumpagnia, die Appenzeller Hobbysänger und das St. Galler Chorprojekt das Publikum.

Warum läuft des dem Zuhörer am Samstagabend kalt den Rücken runter, als die neun «Hobbysänger» jodelnd durch den Mittelgang der Alt St. Johanner Kirche auf die Bühne zuschreiten? Wohl weil ihre mit starken Stimmen vorgetragenen Rugguserli etwas in uns berühren, das an die Heimat erinnert. Es sind heimatliche Klänge. Peter Roth erklärte denn auch: Rugguserli kommt von «roucouler». Zu dieser Bezeichnung kamen die Stücke, als die Appenzeller Söldner sie in den französischen Heeren gesungen haben. Weil viele bei diesem Klang desertiert und Richtung Heimat verschwunden seien, wurde das «rugguserlen» von den Franzosen bei Todesstrafe verboten.

Aber weshalb löst es ähnliche Gefühle aus, wenn die fünf Korsen der Gruppe A Cumpagnia ihre Lieder anstimmen, alles Stücke, die auf Korsika nur mündlich überliefert werden? Wohl weil auch diese Stücke Heimatlieder sind. Zwar nicht aus einer Heimat wie der grünen Schweiz, sondern einer eher kargen Mittelmeerinsel. Auch wenn die Klänge unterschiedlich sind, auch wenn die Art und Weise, in der sie vorgetragen werden, sich unterscheidet – die Appenzeller die Hände im Hosensack, die Korsen die Hand am Ohr – ihr Gesang zeugt von einem Gefühl der Verwurzelung, der Verbundenheit mit der jeweiligen Heimat.

Diesseits und jenseits der Alpen
«In einer Zeit, in der die Gesellschaft immer intoleranter wird, ist es umso wichtiger, die Gemeinsamkeiten zu betonen. Die Musik bietet eine wunderbare Möglichkeit, diese zu finden. Gleichzeitig kann man das Verschiedene nicht als etwas Trennendes begreifen sondern als Möglichkeit, aufeinander zuzugehen und den Dialog zu finden», begründet Peter Roth seine Motivation. Für das diesjährige Naturstimmen-Festival hatte er es sich zur Aufgabe gemacht, unter dem Titel «Alptransit – eine Klangreise» die musikalischen Gemeinsamkeiten von dies- und jenseits der Alpen zu finden. Dafür reiste er im Februar nach Korsika und setzte sich mit Dölf Mettler von den Hobbysängern zusammen. Damit war der erste musikalische Bogen über die Alpen geschlagen. Die Reise sollte aber weitergehen. Ebenfalls ins Programm eingebaut hat Peter Roth sein Chorprojekt St. Gallen. Mit so genannten Madrigals – mehrstimmigen Vokalstücken – aus dem England des 16. Jahrhunderts gab der Chor den Heimatklängen den Rahmen. Die Madrigals hätten ihren Ursprung in Italien. Die ersten, die ihren Weg nach England fanden, waren in einem Buch gesammelt mit dem Titel «Transalpin», erklärt Peter Roth einen weiteren Anknüpfungspunkt zum Thema der Klangreise.


Auf Klangreise: Mit Peter Roth, dem Chorprojekt St.Gallen, A Cumpagnia aus Korsika, die Walliserin Maria Walpen, Albin Brun (Luzern) und den Hobbysängern Appenzell. (Bild: Reto Neurauter)

Dass ein geübter Musiker in allen Stücken etwas Bekanntes findet, zeigte Albin Brun, der mit dem Saxophon auf sanfte, unaufdringliche Weise verschiedene Stücke instrumental ergänzte. Dennoch: Die Zusammenführung so unterschiedlicher Stilrichtungen und Musiker ist nicht ganz leicht. Peter Roth beschreibt denn seine Aufgabe als diejenige eines Regisseurs: «Meine Aufgabe ist die Dramaturgie, ich muss Spannungen aufbauen.» Auch auf der Bühne kein Leichtes, denn die Musiker haben erst am Nachmittag alle zusammen geprobt. Dass es zu Pannen kommen kann, zeigte sich gleich zu Beginn: Der Chor fand den Einstieg nicht. Peter Roth brach ab, beim zweiten Versuch gelang es. «Ein Programm mit Gruppen aus verschiedenen Gesangskulturen ist immer mit Unsicherheitsfaktoren behaftet. Man muss sich auf alle verlassen können. Aber das ist auch das Spannende: Das Unvorhersehbare und das Frische, die Spontanietät. Das ist nur möglich, wenn man vorher nicht zu viel probt, denn das lässt die Musiker auf der Bühne staunen, wenn sie die anderen hören. Das erzeugt diese besondere Energie.»

«Jodel-Jam-Session»
Das Staunen war den Mienen der Sänger und Sängerinnen denn auch anzusehen, ihre Gesichtsausdrücke eine Mischung aus Interesse, Staunen, verstehendem Lächeln. Das wirkte auch auf die Zuhörer. Mit Standing Ovations forderten sie Zugaben. Für die dritte liessen sich die Musiker zu einer Improvisation verleiten, einer «Jodel-Jam-Session»: Unter Dölf Mettlers Anleitung jodelten sie alle: Die Appenzeller, die Korsen, der Chor, Peter Roth und Saxophonist Albin Brun. Sie fanden die Gemeinsamkeit. Peter Roth zeigte sich zufrieden: «Eine Reise mit vielen Risiken ist gut gegangen», meinte er zum Schluss und konnte bereits wieder über den verpatzten Auftakt lachen.

Text: Barbara Anderegg
© 2010 Toggenburger Tagblatt - Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung
 
Klangreisen durch Kulturen
25. Mai 2010

Das Pfingstwochenende am Klangfestival in Alt St.Johann entpuppte sich als eine Klangreise durch viele musikalischen Kulturen, und war gleichzeitig Abschluss der vierten Austragung. Eine, die wieder sehr erfolgreich war.

«Klangreise» hiess es eigentlich nur samstags, als das Chorprojekt St.Gallen, A Cumpagnia aus Korsika, die Walliserin Maria Walpen, der Saxophonist Albin Brun (Luzern) und die Hobbysänger Appenzell mit «Alptransit» mehr als nur die Alpen querten, auch wenn bei dieser Aufführung der Anfang nicht wunschgemäss verlief. Aber es war erneut eine eindrückliche Aufführung, die der einheimische Komponist Peter Roth präsentierte. Faszinierend die korsischen Töne von A Cumpagnia, vereint mit Bruns wehklagendem Saxophon, das auch Walpens heller Sopranstimme viel Raum liess.


Auf Klangreise: Die Walliserin Maria Walpen und Albin Brun (Luzern).

Dölf Mettlers – er feierte an diesem Abend seinen Geburtstag – Hobbysänger, die seit 36 Jahren aktiv sind, und Ende Jahr aufhören wollen, liessen ihre «Rugguserli» im sakralem Raum der katholischen Kirche ertönen. Nicht nur die oral tradierten korsischen Gesänge begeisterten im dreiteiligen Konzert, auch die Zugaben wurden mit lang anhaltendem Applaus bedacht.

Alt und neue Klangsphären
Doch zurück zum Freitag, der ganz im Zeichen von schweizerischer Tradition stand. Marie-Theres von Gunten, Nadja Räss (sie führte auch durchs Programm) und an der Handorgel Willi Valotti (Nesslau) huldigten dem traditionellen Jodellied, die Geschwister Schönbächler (s Heuis aus dem Muotathal) dem Naturjodel in schier einer anderen, wenig bekannten Klangsphäre.


Gänsehaut: Die Geschwister Schönbächler oder aus s`Heuis genannt an einem ihrer seltenen Auftritte.

Die «schräge» Bernerin Christine Lauterburg jodelte sich mit ihren Lieder, Geige und Schwyzerörgeli dennoch in die Herzen der Zuhörerschaft, und mit dem von Hansueli Hersche (Ebnat-Kappel) zusammen gestellten Toggenburger-Appenzeller Chörli wurde einmal mehr bewiesen, das hinter und vor dem Säntis – auf die richtige Betrachtungsweise kommts wohl an – viele Liebe im Jodel steckt.

Immer wieder Gegensätze
Der Pfingstsonntagabend dann war wohl wieder ein Höhepunkt, wie so oft an diesem Klangfestival Naturstimmen. Was die serbischen Zwillinge Ratko und Radisa Teofilovic an Zweistimmigkeit darboten – Moderator Philipp Kamm: «Beachtet bitte die ungewohnte Zweistimmigkeit und die neuen Harmonien.» –, war schon höchste musikalische Schule, man hätte eine Nadel fallen hören, so still und andächtig lauschte das Publikum diesen meist aus Klöstern stammenden Melodien.

Da stand der Jodelklub Männertreu Nesslau unter Leitung von Willi Valotti mit ihren Naturjodeln und Jodelliedern den Serben in nichts nach, das Publikum wusste, was ihnen diese Männerstimmen wert sind.

Neben Serbien war auch Russland erstmals am Festival vertreten, und wie. Die Familie Serov aus Moskau lebte das russische Volkslied, liebte die Necklieder, die leidenschaftlichen Reigentänze, und zelebrierte ihre Donkosakenlieder.
Nicht nur dieser Abend zeigte an diesem Klangfestival einmal mehr auf: Musik ist eine Universalsprache, die die drei Gruppen auch gemeinsam vortrugen, beigeistert vom Publikum applaudiert.

Fast 100 Kinderstimmen
Erstmals am Klangfestival fand auch ein Konzert von Kinder für Kinder statt, und zwar am Nachmittag des Pfingstsonntags: mit dem Kinderjodelchörli Mosnang unter der Leitung von Stefan Segmüller mit 45 Singenden, dem Kinderjodlercheerli Brisäblick Oberdorf (Nidwalden) mit Leiterin Patricia Dahinden und Manuel Odermatt an der Handorgel, das 30 Stimmen stak war, und dem Buebechörli Stein (Appenzell Ausserhoden) mit 21. «Brisäblick» und die Steiner haben einen eigenen Vorstand, letzteres besteht seit 1977.

Fast 100 Kinder aus den Kantonen Nidwalden, Appenzell Ausserrhoden und St.Gallen begeisterten am Kinderkonzert

Eine erfreulich grosse Zuhörerschaft honorierte die die Auftritte dieser jungen Menschen, die mit Eifer und höchster Konzentration Jodellieder und Naturjodel sangen. «Sie sind nicht nur herzig und liebenswürdig», meinte Philipp Kamm, «dahinter steckt viel Probenarbeit in der Freizeit.» Viel Applaus gab es für die drei Chöre, die am Ende – ganz im Sinne des Festivals - gemeinsam zwei Lieder vortrugen.

Text und Bild: Reto Neurauter
© 2010 Werdenberger & Obertoggenburger - Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung
 
Jodeln – aber wie?
24. Mai 2010

Einen Tag lang nur über Jodeln zu sprechen, geht nicht. Selber ausprobieren hiess es am 1. Jodelsymposium des Klangfestivals in Alt St.Johann. Auch beim Jodeln scheiden sich die Geister.

Naturjodel gehe ihr unter die Haut, sagt Nina Brunner, Leiterin von «Schweizweit» bei 3Sat, je später der Abend desto mehr. Die studierte Ethnologin wollte dann aber doch genauer wissen, was «chäche» Töne sind und warum der Jodel so fasziniere. Jodlerin Nadja Räss, bekannt für neues Jodeln, «das sind einfach urchige Töne, die die Seele berühren.» Aber warum muss man diese Töne reglementieren, benoten an Jodelfesten? «Wer hat sie erfunden, diese Regeln», fragt Karin Niederberger, die Präsidentin des Eidgenössischen Jodelverbandes aus Malix zurück, «das hat bei uns Tradition.» Und wenn man etwas ändern wolle, so müssten sich die Mitglieder bemerkbar machen.

Lauterburg: «Verheerend»
Räss spricht das Verbindende, die Vielfalt des Jodelns in der Schweiz an, «wir müssen Neuem einfach mehr Raum geben, und den Naturjodel mehr fördern.» Das lag ganz auf der Linie von Peter Roth, der in seinem Eingangsreferat zu diesem Jodelsymposium forderte, der Verband solle «urchige Naturjodel und gepflegte Jodellieder nicht mit gleichen Kriterien bewerten, da sie zwei unterschiedlichen Kulturen entstammen.»

Niederberger erklärte, dass der Verband Hand biete, wenn das gewollt werde, «wie haben dafür eine Fachkommission.» Und auch Christine Lauterburg, Bernerin, Aussenseiterin bei den Jodlern und bekannte für schräge Jodel, «für mich fängt jeweils erst nach dem Fest das Jodeln an, da geht die Post ab.» Für sie sei ein organisierter Wettkampf «verheerend, man kann ganz einfach Verschiedenes mit gleiche Ellen messen.»

«Schräg ist nicht schlau»
Am Klangfestival in Alt St.Johann, da habe sie ihre Sache gedurft, «und das tönt halt etwas anders», wofür sie gleich Applaus erhielt. Für Innovation in der Volksmusik sprach sich auch Evelyn Fink-Mennel von Institut für Volksmusikforschung und Ethnomusikologie in Wien aus: «Jodeln ist Originalität und muss auch Improvisation sein, ein Stück weit.» Volksmusik sei freies Spielen, und fördere die Vielfalt, betonte sie. Hier warf Brunner die Frage ein, was denn die Pflege von Schweizer Brauchtum bedeute, und Hansueli Herrsche, Chorleiter aus Ebnat-Kappel, verteidigt das Traditionelle, «es ist aus dem Bauerstand gewachsen, und das Schräge im Jodel ist für mich keine schlaue Lösung.»

Für Fink-Mennel könne der Chorjodel nichts dafür, dass er so geplättet klingt. «Die Ästhetik des Städtischen», so Roth, «des Klassischen haftet bis heute immer wieder am Naturjodel und raubt ihm Originalität, Urwüchsigkeit und Kraft.» Dazu müsse man wissen, dass die organisierte Jodlerei in Clubs, «zunächst ein städtisches Phänomen, ein Kind der Spätromantik gewesen ist.»


Jodeln wollen alle, aber wie? Hansueli Herrsche, Evelyn Fink-Mennel, Karin Niederberger, Nadja Räss und Christine Lauterburg diskutierten darüber mit Moderatorin Nina Brunner (von links).

Wieder mehr singen
Mit der Bemerkung, «an einem Jodelfest hat man nie Durst», stach Räss erneut in ein Wespennest. Es herrsche eine Unkultur in der Schweiz. Aber Herrsche fordert, dass es auch die Tracht braucht, die Lauterburg so gar nicht mag, «an einem Fest muss man doch eine ‚Gattig’ machen», so Herrsche.

Doch für Räss kann es nicht sein, dass Volksmusik im eigenen Land als exotisch wahrgenommen wird, «Radio und TV fördern diese Unkultur noch, indem sie Volksmusik der Unterhaltung zuteilen und nicht der Kultur.»
Auf die Frage, was zu ändern sei, will Niederberger im Verband und in den Schulen mehr die Jugend ansprechen, und Räss findet, dass ganz allgemein wieder mehr gesungen werden muss.

80 waren dabei
Vorgängig zu dieser abschliessenden Diskussion nahmen 80 Personen an verschiedenen Workshops mit Marie-Theres von Gunten, Hersche, Lauterburg und den Geschwister Schönbächler (s Heuis aus dem Muotathal) teil. Referate von Matthias Echternach vom Institut für Musikermedizin an der Univerrsitäsklinik Freiburg i. Breisgau über die anatomischen Hintergründe des Jodels, von Fink-Mennel über ihre Studien zum Appenzeller Naturjodel und Schellack-Plattensammler Hanspeter Wössners (Thalwil) auditative Jodelreise ergänzten dieses Symposium.

Text und Bild: Reto Neurauter
© 2010 Werdenberger & Obertoggenburger - Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung
 
«Mehr singen und weniger stressen»
24. Mai 2010

«Nach dem Jodeln sollte man sich besser fühlen als vorher», sagte der deutsche Musik-Mediziner Matthias Echternach am Jodelsymposium.

Noch etwas deutlicher drückte es Nadja Räss aus: «Man sollte ganz einfach mehr singen als stressen!» Unter diesem Eindruck des Entstressens stand auch das zweite Wochenende am Naturstimmen-Festival in Alt St. Johann.



Grossartige Konzerte wechselten mit ruhigen Momenten ab und gar einen Hauch von Transzendenz konnte man beim allerletzten Workshop «Naturjodel und Spiritualität» am Sonntag erfahren. Den knalligen Kontrapunkt setzte die Berner Sängerin Christine Lauterburg.

Text und Bild: Michael Hug
© 2010 Toggenburger Tagblatt - Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung


 
Jodeln – urchig und modern
24. Mai 2010

Im Rahmen des Naturstimmenfestivals hat am Samstag das erste Internationale Jodelsymposium stattgefunden. Klangwelt-Initiant Peter Roth plädierte für den Erhalt des Naturjodels.

Peter Roth, Initiant der Klangwelt Toggenburg und des Naturstimmenfestivals, rief in seinem Auftaktreferat zum Jodelsymposium dazu auf, den Naturjodel zu erhalten. Sein Plädoyer «Wider die Zähmung des Naturjodels» richtete er unter anderem an die Präsidentin des Eidgenössischen Jodlerverbands, Karin Niederberger: «Bewertet an Jodlerfesten urchige Naturjodel und gepflegte Jodellieder nicht mit gleichen Kriterien – sie entstammen zwei verschiedenen Kulturen.
Seit 1708 die temperierte Stimmung erfunden worden sei, lebe man in Europa mit zwei unterschiedlichen musikalischen Systemen, so der Komponist und Chorleiter.

Wunsch an den Verband
Es sei alarmierend, wenn die Kriterien des temperierten Systems die schrägen Intervalle und urchigen Klangfarben des Naturjodels verdrängen, so Roth. Dies passiere schleichend an Jodelfesten; immer mehr «Kampfrichter» hätten Konservatorien absolviert, die naturtönig mit falsch und urchig mit ungepflegt gleichsetzen. Roth empfahl dem Eidgenössischen Jodlerverband, sich zum 100. Geburtstag ins Stammbuch zu schreiben: «Misst urwüchsige Stimmen nicht am klassischen Stimmideal und verlangt von den Naturjodelinterpreten weder Partituren noch feststehende Tonarten.»


Jodeln verschieden: Christine Lauterburg und Nadja Räss in der Kirche in Alt St. Johann.

Traditionell und progressiv
Die Einsiedler Jodlerin Nadja Räss, Initiantin des Jodelsymposiums, führte durch das Programm. Das Jodelkonzert am Vorabend hatte Interpreten aus verschiedenen Landesgegenden und Stilen auf die Bühne gebracht. Die Auftritte von Marie-Theres von Gunten, die das traditionelle Jodellied vertrat, der Geschwister Schönbächler, Vertreterinnen des Muothataler Naturjutz, eines gemischten Toggenburger-Appenzeller Ad-hoc-Chores und von Christine Lauterburg, Interpretin eines progressiven Stils, zeigten dem Publikum in der ausverkauften Pfarrkirche von Alt St. Johann die Eigenheiten der in der Schweiz gepflegten Jodelstile.

«Lautes, schreckliches Singen»
Wie der Jodel im Alpenraum entstanden war und gepflegt wird, erklärte die Wiener Volksmusik-Forscherin Evelyn Fink-Mennel: «Erste Aufzeichnungen aus dem vierten Jahrhundert bezeichneten den Naturjodel noch als lautes, wortloses und schreckliches Singen der Hirten. » Auch wenn der Jauchzer bis ins 21. Jahrhundert immer weiterentwickelt worden sei, so liege im wortlosen Artikulieren noch immer ein therapeutisches Potenzial, meinte Fink – nicht ohne Schalk. Ebenso humorvoll und mit aufschlussreichen Bildern aus jodelnden Kehlköpfen führte der deutsche Musikmediziner Matthias Echternach in die Physiologie des beim Jodeln typischen Kelhkopfschlages ein. In der abschliessenden Podiumsdiskussion konterte Verbandspräsidentin Karin Niederberger Peter Roths Aufruf: «Eine Änderung des Bewertungssystems müsste von den Mitgliedern beantragt werden. Ich glaube aber: Die Mehrheit will das nicht.»

Text und Bild: Michael Hug
© 2010 Toggenburger Tagblatt - Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung
 
Eintauchen in die Heimat von Gospel und Donkosaken
21. Mai 2010

Gospel und Spirituals mit Malcom Green, Kosakengesang mit der Familie Serov: Der Kontrast hätte gestern in der Alt St.Johanner Propstei nicht grösser sein können. Auch an diesen beiden Klangfestival-Workshops wurde klar: Die Musik ist an unzähligen Orten zu Hause.

Der Sinn der Workshops am Klangfestival Naturstimmen ist einfach: Die Teilnehmenden sollen für neue Klangfarben begeistert werden, und neue Kulturen kennen lernen. Und mit Begeisterung hat sowohl Malcom Green aus St.Gallen – mit seinen Swing Kids feiert er weltweit grosse Erfolge – als auch die Familie Serov – das sind Mutter Evgenia, Vater Nikolai, die Söhne Boris und Lev, die Tochter Wassilissa, und deren Cousine Julia – gestern Donnerstag dieselbe vermittelt.


Gospel liegt in der Luft: Malcom Green begeistert in seinem Workshop mit der rhythmischen Zwiesprache des Predigers und der Gemeinde.

Gospel ist etwas Unglaubliches
Green – stets in Bewegung – verband seinen Workshop mit der Geschichte des Gospel. Er brachte aus St.Gallen Pianist Hector Ceravolo mit. Ein versierter Begleiter, und bereits nach knapp einer halben Stunde tönte es in der Propstei begeistert nach Gospel. «Incredible», «wonderfull» wird Green im Laufe des Nachmittags sagen. Und: «Gospelmusik kann man sich nicht mehr wegdenken, Gott sei Dank», sagt der quirlige Musiker. Gospel sei etwas Unglaubliches, «Gospel ist predigen, Rufen, Antworten, Vorsänger und Chor, eine rhythmische Zweisprache.» Gospel ist etwas, das echt ist, «wie ein Gebet», so Green, und niemand wird ihm widersprechen.


Wie die Donkosaken: Die Familie Serov nimmt die Teilnehmenden mit ihrer vielfältigen Musik auf eine Reise in das ferne Russland.

Russland liegt im Toggenburg
Szenenwechsel im 2. Stock der Propstei. Bei den Russen, die eigentlich Donkosaken sind, dreht sich derweil vieles im Kreis. Die Lieder sind mit Sehnsucht garniert, aber auch mit Takt. Sie bödelen wie die Schweizer, «Schuaplattlen» wie die Bayern sagen würden, und klatschen. Wirbeln rund herum, ziehen alle mit Begeisterung mit, und alle sind für kurze Zeit Donkosaken, nur die oligaten Stiefel fehlen noch.
Ein Reigentanz, in dem die Sonne froh auf uns herniederscheint, oder ein Kasachentanz im Gegenuhrzeigerlauf, alles dreht sich bis sich der Boden in der Propstei biegt. «Tam, ta, ta, ta, tam, tam» im Takt, immerfort, und dazu der Gesang der Kosaken, Russland liegt für eine kurze Zeit im Toggenburg. Der Kosakengesang hat eine neue Heimat gefunden, nicht 46 Strophen lang oder nach 200 mal im Kreise rum (so lange können diese Lieder dauern).

Text und Bilder: Reto Neurauter
© 2010 Werdenberger & Obertoggenburger - Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung
 
Klangschamane - wie Peter Roth in Natur-Geräuschen seine Musik findet
20. Mai 2010

Der Musiker, Komponist und Chorleiter Peter Roth ist Initiator des Toggenburger Klangfestivals «Naturstimmen». Im Zentrum der Darbietungen steht der Naturklang, wie er im einheimischen Naturjodel oder Alpsegen und in der musikalischen Tradition vieler Länder vorkommt. Peter Roth sieht sich als Klangforscher. «Kulturplatz» von SF 1 folgte ihm zu den urtümlichsten Quellen der Musik, in die unberührte Natur.
Beitrag: Jürg Gautschi



Erstausstrahlung auf SF 1 am Mittwoch, 19. Mai um 22.45 Uhr

» Klangschamane - wie Peter Roth in Natur-Geräuschen seine Musik findet
 
«Das Klangfestival läuft bestens»
18. Mai 2010

Das Klangfestival Naturstimmen in Alt St.Johann hat sozuzsagen Halbzeit. Grund genug, um mit OK-Präsident Andreas Roth bei einem Kaffee Bilanz zu ziehen. «Viele Besucher freuen sich auf unsere kulturellen Kontraste», sagt er. Doch: Sein Abgang ist Fakt, ein Masterstudium setzt neue Prioritäten.

Mit Andy Roth sprach Reto Neurauter

Sie gehen wirklich?
Andreas Roth: Ja, leider. Ich werde mich verändern und beginne im Herbst ein Masterstudium in Luzern. Ich kann gut loslassen, denn hier steht alles auf guten Beinen, und eine Nachfolgelösung zeichnet sich ab.

Es ist Halbzeit am Klangfestival. Ihre Bilanz?
Andreas Roth: (lacht) Ich bin rundum zufrieden, vier Konzerte ausverkauft, eines fast. Wirklich toll. Und wer sich für die letzten fünf Konzerte Billette sicher will, muss sich sehr beeilen!


Lacht und kanns geniessen: Andy Roth, OK-Präsident Klangfestival Naturstimmen Alt St.Johann, ist mit dem Verlauf sehr zufrieden.

Wir erleben Sie die Stimmung?
Andreas Roth: Ich habe sie in der Kirche als offen und begeisternd wahrgenommen. Die Besucher lassen sich offensichtlich von den kulturellen Kontrasten begeistern. Und sie wissen, was sie erwartet.

Wie würden Sie daher das Programm beurteilen?
Andreas Roth: Es ist merklich jünger geworden gegenüber seinen drei Vorgängern. Diese Erneuerung ist wichtig, Auffrischung tut gut. Einer wie Nino G. revolutioniert das Festival, aber sorgt gleichzeitig dafür, dass das Festival kein Ablaufdatum bekommt. Und erstmals produzieren wir auch eine Doppel-CD, auch eine Weiterentwicklung unsererseits, damit dieses Festival nie ausklingt.

Auch die Workshops «klingen» erfreulich.
Andreas Roth: So ist es. Hier profitieren wir etwas vom Wetter, würde ich sagen. Feriengäste singen statt dass sie wandern


Sind sehr gut besucht und machen Spass: Die Workshops (hier mit der Gruppe aus Nagaland) am Klangfestival Naturstimmen in Alt St.Johann.

Und die Vorträge?
Andreas Roth: Unterschiedlich ist hier die Frequenz. Bei Rebekka Sutter und Nagaland waren es über 100 Besucher. Viele realisieren vielleicht nicht, dass dies auch ein Infoangebot ist für das Konzert am Abend. Aber ich bin zufrieden.

Und das erste Jodelsymposium steht an.
Andreas Roth: Ich bin gespannt, wie das läuft. Auf jeden Fall wollen schon über 80 Personen mehr übers Jodeln wissen.

Erstmals ist auch ein Konzert von und für Kinder angesagt. Eine Schritt in die Zukunft?
Andreas Roth: Schon, ganz klar. Wir betreten Neuland, und wir wissen, Neues muss sich erst etablieren, im Umfeld der zehn attraktiven Konzerte, notabene. Aber Jugendförderung muss ein Thema sein von Klangwelt Toggenburg. Davon bin ich überzeugt.

Wie sieht denn Ihre persönliche Bilanz des Klangfestivals aus.
Andreas Roth: Ich bin ein Naturstimmen-Fan. Hier werden touristische Inhalte ideal mit dem Tourismusgedanken verbunden. Viele in der Region schöpfen Werte aus den Festivals (auch von Saitenwind), denn sie finden in der Zwischensaison statt. Die Klangwelt ist ein Kulturangebot, das helfen kann, davon bin ich überzeugt, dass das Toggenburg zu einer Ganzjahresdestination wird. Und mit dem Klanghaus wäre da noch viel mehr möglich.

Sie verlassen ein sehr gut funktionierendes OK und viele Helfer im Hintergrund. Nicht ganz einfach.
Andreas Roth: Nein, das ist es sicher nicht. Sie leisten ja Immenses auf hohem Niveau, und äusserst eigenständig. Da geht man nicht ohne Danke zu sagen. Ich konnte ja vor drei Jahren schon eine bestens funktionierende Crew übernehmen.

Text und Bilder: Reto Neurauter
© 2010 Werdenberger & Obertoggenburger - Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung
 
Positive Zwischenbilanz für «Naturstimmen»
17. Mai 2010

Mit dem Frauenkonzert vom Sonntag ist die erste Hälfte des Klangfestival «Naturstimmen» vorbei. Das Organisationskomitee des Klangfestivals Naturstimmen zieht eine positive Bilanz des ersten Wochenendes: Die Konzert, Workshops, Kurse und Klangreisen in Alt St. Johann sind hervorragend besucht. Zahlreiche musikalische Höhepunkte gab es zu erleben und die Stimmung ist grossartig.


Bild: Stephan K. Haller

Zum vierten Mal treffen sich bis zum Pfingstmontag Chöre und Solostimmen aus der ganzen Welt zum Klangfestival «Naturstimmen» im Toggenburg. Die bisherigen Konzerte, Referate, Workshops, Klangkurse und zahlreiche weitere Rahmenveranstaltungen sind hervorragend besucht und begeistern. Die Stimmung unter den mitmachenden Sängerinnen und Sänger – einige verbringen gleich mehrere Tage in der Region – ist sehr gut und viele musikalische Kontakte wurden geknüpft. Diese positive Grundstimmung übertrug sich an den Konzerten und insbesondere beim gemütlichen Zusammensein im Festivalrestaurant auch auf das Publikum. Das Organisationskomitee zieht eine positive erste Bilanz und freut sich auf die weiteren Veranstaltungen in den kommenden Tagen.

Wer das erste Konzertwochenende verpasst hat, sich aber die spannenden Klangreisen mit 400 Sängerinnen und Sängern aus zehn verschiedenen Ländern trotzdem nicht entgehen lassen will, hat noch viele Möglichkeiten. So gibt es für einige Konzerte noch Tickets und auch in den Klangkursen, Workshops und Klangreisen hat es noch freie Plätze.

Da weiterhin mit einem grossen Publikumsinteresse gerechnet wird, empfehlen die Veranstalter Interessierten den Vorverkauf zu nutzen. Tickets sind an den Touristen-Infos in Wildhaus und Unterwasser, im Internet unter www.klangwelt.ch/naturstimmen und via Callcenter (0900 441 441, CHF 1.00/Minute) erhältlich. Für Kurzentschlossene ist die Tageskasse bei Konzerten, für die es noch Karten gibt, jeweils eine Stunde, für Workshops und Klangerlebnisse jeweils eine halbe Stunde vor dem Beginn geöffnet.

Intensive Klangerfahrungen erleben
Ein Highlight des diesjährigen Klangfestivals «Naturstimmen» ist das Jodelsymposium, welches am Freitag, 21. und Samstag, 22. Mai zum ersten Mal stattfindet. Neben dem Hören und selber Singen wird auch viel Hintergrundwissen zum Jodeln vermittelt. Dafür konnten mehrere kompetente Referenten gewonnen werden. In den jeweiligen Workshops können das am Konzert gehörte selbst umgesetzt und erlebt werden.
 
Experimentierlust und Mantras
17. Mai 2010

«Om tare tutare ture soha» – nicht ein Lied, nicht eine Rede, sondern das tibetische Mantra der grünen Tara eröffnete das Sonntagskonzert. Gesungen hatte es die Tibet-Schweizerin Dechen Shak-Dagsay. Das Mantra der Tara soll, so die Interpretin, Gefahren auf dem Weg zur Weisheit fernhalten. Doch die Kraft eines Mantras liegt nicht darin, es vorgetragen zu bekommen.

Shak-Dagsay nahm sich die Zeit, es den Zuschauenden zu vermitteln, die Bedeutung zu erklären und sie schliesslich zum Mitsingen zu bewegen. Das gemeinsame Singen hatte zudem den Effekt, dass sich 400 Zuschauende, bewusst oder unbewusst, auf das Konzert einstimmen konnten.

Gefühlswelten und Frauenklang
Derart abgeholt, folgte eine Reise durch Gefühlswelten, in denen sich zurechtzufinden nicht einfach war. Regula Curti und Dechen Shak-Dagsay fusionierten unter stetem Drehen einer Klangmühle christliche und buddhistische Gebete, darunter den Auftakt des Toggenburger Alpsegens. Dann trat die seit Jahrzehnten erste Frauenjodelgruppe der Region auf die Bühne: Frauenklang. Fünf Jodlerinnen hatten unter der Leitung von Peter Roth zusammengefunden und sich speziell für das Festival vorbereitet. Die Stimmung in der Kirche drehte von meditativer Spannung auf lockere Fröhlichkeit. Roth hatte für seine fünf Frauen uralte «Ratzliedli» – neckische Lieder junger Frauen – ausgegraben, was im von Frauen dominierten Publikum alleweil gut ankam. Der Auftritt von Maryam Akhondy und ihrer fünf Begleiterinnen liess die Stimmung noch weiter steigen. Akhondy führte mit Liedern aus ihrer Heimat Iran das Publikum charmant aus der lockeren Beschaulichkeit.


Frauenklang (Bild: Stephan K. Haller)

Wacklige Grenzgänge
Mit Lisette Spinnler und ihrem Pianisten Christoph Stiefel drehte der Wind. Die Jazzsängerin machte mit nonverbalen Improvisationen zwischen sinnentleerter Experimentierlust und sinnsuchendem Kleinkindgebrabbel der Kontemplation den Garaus. Damit hatten die Zuschauenden und -hörenden einer Spannungsüberleitung zu folgen, der symptomatisch ist für das Naturstimmenfestival: Auf der Bühne soll ausgelotet werden, was mit der menschlichen Stimme möglich ist. Um herauszufinden, was nicht mehr möglich ist oder nur noch mit technischer Unterstützung möglich gemacht werden kann, müssen Grenzen zuweilen überschritten werden. Stephan K. Haller, der neue Programmchef des Naturstimmenfestivals, spannt den Bogen weit und zeigte mit dem Frauensonntag in extremis auf, dass er wacklige Grenzgänge nicht scheut.


Wacklige Grenzgänge: Lisette Spinnler (Bild: diro)

Elektronische Verstärkung
Schon am Freitag war ein Computer im Einsatz und sowohl Martin O. (am Freitag) wie Nino G. (am Mittwoch) bedienten sich der elektronischen Verstärkung, um ihrer Stimme Gehör zu verschaffen. Doch noch nie war bis anhin die Bühne am Naturstimmenfestival derart mit bereitstehenden Musikinstrumenten belegt: Klavier, Akkordeon, Klangmühle, Kontrabass und diverse Perkussionsinstrumente warteten auf ihren Gebrauch.

Noch selten machte das Mikrophon derart oft die Runde. Offensichtlich kommen grenzgängerische Naturklänge nicht mehr ohne technische Hilfe aus und ebenso scheinen bestimmte Gesänge ohne instrumentale Unterstützung keine Wirkung mehr zu erzeugen. Bei Lisette Spinnler wurde der Bogen für einige im Publikum überspannt, sie verliessen vorzeitig das Konzert.

Text: Michael Hug
© 2010 Toggenburger Tagblatt - Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung
 
Singen vereinigt
16. Mai 2010

Singen vereinigt ohne viele Worte, überspringt mühelos Sprach- und Kulturbarrieren und bringt innere Freude spontan zum Ausdruck. Wieder konnte sich das Publikum am Naturstimmen Klangfestival an zwei Abenden davon überzeugen lassen.


Toggenburg trifft Norwegen: Annelies Huser und Berit Alette Mienna.

Am Freitag und Samstag sah das Programm das Aufeinandertreffen von Innerschweizer Jodelkunst, Ostschweizer Gesangs-Vervielfachungstechnik und Südafrikanischer Tanz- und Singchoreographie vor. Nadja Räss, Martin O. und Ubuhle be Afrika hiessen sie Künstler.

Am Samstag folgte auf den Fuss ein weiteres mitreissendes Fest, das vor allem von weiblichem Charme und glühender Leidenschaft geprägt war: La Mal Coiffée aus Frankreich und Jodlerin Annelies Huser mit dem Churfirstenchörli hiessen die Auftretenden. Den geradezu besinnlichen Kontrapunkt setzte Berit Alette Mienna aus Norwegen. Sie bezauberte die Zuhörerinnen und Zuhörer in der bereits zum vierten Mal bis auf den letzten Platz besetzten katholischen Kirche mit dem Joik-Gesang des Samenvolks. Wieder vereingten sich zum Schluss jedes Abends die Beteiligten zum Chor und versuchten mit viel Improvisationskunst und Offenheit die Vereinigung ihres Gesangs – unter stehendem Beifall vom begeisterten Publikum.

Text und Foto: Michael Hug
© 2010 Toggenburger Tagblatt - Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung
 
Wenn der Joik «grad hebet» und «La Mal Coiffée» erdig singt
16. Mai 2010

Norwegen, Südfrankreich und Toggenburg: Das vierte Konzert am Klangfestival in Alt St.Johann hat gezeigt, dass die musikalische Heimat überall sein kann, «aber sie beginnt mit der eigenen Sprache», ist Moderator Philipp Kamm überzeugt.

Mystik liegt an diesem Samstagabend in der katholischen Kirche Alt St.Johann. Weit weg ertönt Berit Alette Miennas Joik. Sie singt nicht über etwas, sondern bringt das Wesen einer Sache unmittelbar zum Ausdruck. Worte, Laute, sind es, die Sami – die mit den Rentieren – singen diese, früher wie heute. Zum Glück haben diese Joiks überlebt. Genau wie der Gesang von «La Mal Coiffée», der sechs «schlecht Frisierten» – «Nicht autorisiert könnte man sagen, der Wäschwiiber», so Kamm –, die aus Südfrankreich kommen, seit 2002 Lieder in okzitanischer Sprache singen, und so ihre Heimatverbundenheit offenbaren. Und genau wie die Naturjodel und Jodellieder, die das Churfirstenchörli Alt St.Johann interpretierte, genau auch diese sind die Sprache der Heimat, der des Toggenburgs.


Ausdrucksstarke Stimme: Die Norwegerin Berit Alette Mienna interpretiert Joik, Volksweisen und spirituelle Melodien aus dem hohen Norden.

Uriges verschmilzt mit Modernen
Erneut war die katholische Kirche bis auf den letzten Platz besetzt, und erneut – das gehört zum Festival der Naturstimmen – begeisterten neue und bekannte Stimmfacetten, «natürlich-ungeschult und klassisch ausgebildet», so Kamm.

Das innere Singen, die fast persönliche Kultur des Joik hat Berit Alette Mienna mit ihrer ausdrucksstarken Stimme faszinierend erleben lassen. Urige Klänge verschmelzen mit modernen Tönen. Die Lehrerin Mienna hat es verstanden, 550 Menschen den Joik beizubringen. So wie es auch Kamm verstanden hat, dieselben 550 Menschen zu einem Chor zu vereinen, und am Ende sagen doch tatsächlich alle das «Buurebüebli» aus vollen Kehlen.

Neue musikalische Heimat entdecken
Wie sehr Sprache Heimat ist, vermittelte «La Mal Coiffée». Sie fühlten sich nicht nur wohl, sie versprühten die Lebensfreude ihrer Heimat. Ihre historischen Klänge sind tief verwurzelt, Kamm nannte das erdig, stolz und dynamisch. Lange zurückgedrängt, haben diese Lieder wieder ihren Platz im 21. Jahrhundert, und «La Mal Coiffée» sind da nicht ganz unschuldig.


Erdige Stimmen: La Mal Coiffée aus Südfrankreich lassen sich von alten okzitanischen Volksliedern inspirieren.

Eine Sprache und deren Lieder haben ihre Heimat wieder gefunden. Die Heimat gefunden hat schon lange das Churfirstenchörli mit ihrer Leiterin Annelies Huser. Oder sind das «Churfirstenlied» vom bekannten einheimischen Autor Peter Roth, «A Hand voll Heimaterde», «Mis Toggeburg» oder all die Naturjodel nicht musikalische Heimat genug? Das man diese, seine musikalische Heimat auch verlassen kann, ja manchmal muss, wurde allen am Ende bewusst. Zu Joik wurde «Grad ghebet», zum Jodel gejokt, und «La Mal Coiffée» brachte das Ganze mit viel Rhythmus in Bewegung. Jodler, die mit okzitanischem Blut infiziert werden, am Klangfestival Naturstimmen ist eben alles möglich. Dem Publikum hats enorm gefallen.

Text und Bilder: Reto Neurauter
© 2010 Werdenberger & Obertoggenburger - Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung
 
Das Toggenburg ist eine musikalische Heimat
16. Mai 2010

Kann Musik heimatliche Gefühle auslösen? Findet man in der Musik seine Heimat wieder? Für den Direktor der Kulturstiftung Pro Helvetia, Pius Knüsel, «baut jeder an seiner eigenen musikalischen Heimat.»

Er fühle sich nun wohl hier. Obwohl: zwei Alpträume hätten ihn bei der Herfahrt geplagt: Die Aussicht auf eine ungeheizte Kirche, der Auftritt an sich, als «Stockkatholischer» in einer reformierten Kirche, sagte Pius Knüsel, seit 2002 in diesem Amt. Aber alle Bedenken umsonst, «die emotionale Bindung zu einer Gegend beginnt dann, wenn man sich wohlfühlt, also jetzt.» Heimat sei auch Vaterland, Land der Geburt, «die Schweizer sind sesshaft und stricken fleissig am Boden, der sie anspricht.» Der Schweizer hat schon früh aus «Hämetli» Heimat gemacht, und er definiert Heimweh als Krankheit.

Grosse Versöhnung
Die Frage sei nur, wo finden wir Heimat? Für Knüsel ist Heimat mit Musik verbunden. Popmusik auch, und heute eben alles von Schallplatte bis Internet. «Das schadet, vielen, die zarte Liebe zur Volksmusik rostet», so Knüsel, «aber ich habe mich dann wieder versöhnt mit der Volksmusik, über die Folkmusik und den Jazz, was ja auch Musik des Volkes sei. Festivals wurden geboren, und viele fanden so ihre neue musikalische Heimat. Aber Achtung: Vielen brach das Herz ob des grossen Experimentiergeistes an Festivals. Festivals haben und hätten eine Auslaufszeit.


«Alle bauen an ihrer eigenen musikalischen Heimat»: Pius Knüsel, Direktor von Pro Helvetia.

Jodler sind aufrichtig
Seit sich Pro Helvetia für die Volksmusik engagiert, halte aber der Aufwärtstrend an und nehme richtig Fahrt auf, ist Knüsel überzeugt, Brauchtum ist ein Synonym für Heimat, «es fasziniert rund um die Welt, und wir suchen Heimat oft in der Fremde – als Kontrastprogramm gegen die Väter», spricht Knüsel aus Erfahrung. Eine neue solche machte er auch 1999 am Eidgenössischen Jodlerfest in Frauenfeld. «Ich musste hin, von Berufes wegen, und fand eine Welt voller Aufrichtigkeit», so Knüsel, «ich fand sozusagen zurück zur Musik meiner Eltern.» Es gibt Momente, in denen man Streicheleinheiten brauche, und das sei einer gewesen.

Das Toggenburg kann es
So bauten alle ihre Heimat der Gefühle mit Bausteinen aus der ganzen Welt als Peachwork zusammen. «Heimat ist ein Gebilde, in dem viele geheimen Wünsche zusammenfliessen», meint Knüsel, Musiker hätten darum viele Heimaten, die Globalisierung sei wie ein Befreiungsschlag gewesen, «man hat sich Anderem, Neuem geöffnet.» Das bewirke auch die Klangwelt. «Das Toggenburg hat sich geöffnet, viele nehmen es vermehrt wahr, und besuchen es, etwas absolut Erfreuliches», sagt Knüsel. Natürlich aber habe das Klangfestival keine Ablaufzeit, so Knüsel auf die entsprechende Intervention von Stephan K.Haller, dem Intendanten, man habe noch so viele Ideen. Knüsel hofft, dass es viel, viel älter als 20 wird, «aber wo steht das Toggenburg in 20 Jahren, neue Generationen folgen, Wechsel stehen bevor, man muss loslassen können, und oft brauche es Neues für die Zukunft.» Alois Ebneter, Mitmotor der ersten Stunde von Klangwelt, ist überzeugt, dass das klappt, Wechsel gabs schon, und die Jungen sind bereit.» Auf keinen Fall hätte er «Feuer legen wollen», so Knüsel, aber die öffentliche Hand reagiere sehr sensibel, auch was die Finanzierung betreffe. «Erfolg ist extrem anrüchig, aber extrem nötig, dass man weitermacht, das ist das Dilemma», meint Knüsel, «unternehmen Sie alles, dass es hier so bleibt, mit so wenig Aufwand so viel Kultur zu vermitteln», macht Knüsel Mut.

Text und Bild: Reto Neurauter
© 2010 Werdenberger & Obertoggenburger - Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung
 
Junge Volksmusik ist «trendy» – aber was ist junge Volksmusik?
16. Mai 2010

Was ist derzeit in der jungen Volksmusik «trendy»? Gibt es diese überhaupt, und was definiert man als solche? Volksmusiker, Szenekenner, Musikwissenschaftler und Kulturmanager Johannes Schmid-Kunz sucht Antworten.

Er trat schon als Geiger im Musikantenstadl auf, seit 2008 ist er Co-Leiter im Haus der Volksmusik in Altdorf, und er sagt, die Austria-Girls von Netnakisum und die «Global Kryner» sind trendy. Die junge Schweizer Volksmusik «verkauft sich noch zu wenig gut», sagt Johannes Schmid-Kunz aus Bubikon, der im Rahmen des Klangfestivals Naturstimmen in Alt St.Johann am Donnerstag vor erstaunlichen vielen Zuhörern referierte.


«Die junge Volksmusik hat Zukunft»: Johannes Schmid-Kunz, Kulturmanager, Szenekenner und Hanneli-Musig-Geiger.

Was genau ist «junge Volksmusik»?
Die Spurensuche gestaltete sich aber ganz und gar nicht einfach, war aber äusserst spannend. Jede und jeder hätte seine eigenen Vorstellungen von junger Volksmusik. «Es gibt Volksmusik von Jungen, für Junge und mit Jungen», so Schmid-Kunz, «das Gegenteil von alt ist jung, aber auch neu.» Das Alte in der Volksmusik ist «konservativ und abgestanden», neue Volksmusik sei derzeit «sehr trendy». Auch wenn «neue Volksmusik» bereits ein Begriff sei, was darunter zu verstehen sei, habe noch niemand genau definiert. Wegbereiter habe es viele gegeben, Max Lässer oder die Appenzeller Space Schöttl um Töbi Tobler, und am TV «hat Wysel Gyr damit profiliert, aber es musste schon etwas Aussergewöhnliches sein, damals», so Schmid. Er nannte die Engadiner Ländlerfreunde, die zusammen mit der PS. Corporation den legendären «Maloyawind» von Gyr zu einem «Hit» machten. Aber heute sei das wohl kaum mehr neue/junge Volksmusik.

Kunst, nicht unterhaltend
Schmid-Kunz sagt denn auch klar, dass es falsch sei, «wenn irgendeine Kulturkommission sagt, was falsch oder richtig, also neu und jung ist.» Hier hätte Ueli Moser einen richtigen Umschwung eingeleitet, die «Wundertüte» oder die «Hanneli-Musig», die würden wahrgenommen, also könnten als neue/junge Volksmusik definiert werden. Und gerade beim Fernsehen, dort, wie Volksmusik in der Unterhaltung angesiedelt sei, begreife man nicht, dass sich die «jungen Wilden» als Kulturschaffende und nicht als Unterhaltenden verstünden.

Sie hat Zukunft
So habe eben jedes Experiment mit Veränderung zu tun, «und hier also zwingend mit einer Verjüngung», stellt Schmid-Kunz fest. Die wachsende Festivalkultur wie die Lenzburgiade oder die Stanser Musiktage machen bewusst, welche Qualität da überall schlummert. Komme hinzu, dass die meisten Musiker bestens ausgebildet sind, «und neue Möglichkeiten in diesem Genre suchen.» Das Anspruchsdenken sei hoch, «es ist eine belebende Sparte, die es verdient, wahrgenommen zu werden», Johannes Schmid-Kunz, «ich setze viel Hoffnung in die Volksmusik, und ich sehe die Zukunft durchaus rosig.»

Text und Bild: Reto Neurauter
© 2010 Werdenberger & Obertoggenburger - Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung
 
Standing Ovations für Jauchzer, Jodler und Khoomi
15. Mai 2010

Am Klangfestival Naturstimmen hat auch das zweite Konzert voll eingeschlagen. Die Gesänge der Naga wurden ebenso mit Standing Ovations bedacht wie der Jodelklub Wattwil und der Khoomi-Sänger Amartuvshin Baasandorj.

Fremde Kulturen würden oft Kulturschocks auslösen, warnte Festival-Moderator Philipp Kamm gleich zu Beginn, Musik könne schockieren durch ihre Eigenartigkeit. «Aber am Klangfestival wird derselbe in erträglicher Dosis verabreicht, also mag man ihn», so Kamm. Und wie die Besucher ihn in der vollbesetzten katholischen Kirche gemocht haben!


Nagaland, Mongolei und Toggenburg: Standing Ovation gabs am Ende für den gelungenen gemeinsamen Auftritt.

Nagaland, ganz im Osten Indiens und teils in Burma gelegen, ist einer der 30 bis 80 Stämme in der Region. Dank Rebekka Sutter – sie besucht seit 2001 regelmässig die dortigen Volksstämme – und einer vierjährigen Vorbereitungszeit war es möglich, dass diese Gruppe am Klangfestival auftreten konnte. Nagas Musik ist Musik aus dem Alltag, von den Reisfeldern, beim Feuermachen, beim Nähen zum Beispiel.

Jauchzer, einmal anders
Naga aber ist auch Freude, Jauchzer, wie man sie hier kennt – nur ein klein wenig anders. Die Christianisierung habe den Naga viel Ungemacht gebracht – «aber Lieder kann man nicht verbrennen», sagte Sutter im Vortrag am Nachmittag, «die bleiben und müssen erhalten bleiben». «Und auch die eine Frage bleibt», so Kamm, «tönen die hiesigen Jodel einfach nur höher, weil die ‘Pörter gächer’ sind?»

Ein Wiedersehen ...
Genau eruieren konnte man es auch an diesem Abend nicht. Die Stimmen der Wattwiler Jodler erklangen glockenhell, und man weiss eben, was man von der eigenen Kultur erwarten kann. Einige Neu- und Eigenkompositionen zeigten das hohe Niveau des Chors.

Dieses offenbarte auch Amartuvshin Baasandorj, der Khoomi-Sänger aus der Monoglei. Nicht unbekannt in Alt St. Johann, trat er doch 2004 beim ersten Festival mit der Gruppe Egschiglen auf. Der sogenannte Obertongesang filtere gewisse Töne heraus, erzielt durch die Spannungen in den Kehlöffnungen, so Kamm. Zusammen mit den Klängen seiner zweisaitigen Pferdekopfgeigen ein absolutes Naturstimmenwunder. Die Gesänge, meist der Natur nachempfunden, sind einfühlsam wie beeindruckend. Fast schon wie Jauchzer, aber nur fast.

Beeindruckend dann, was an diesem Festival zum Schluss jedes Konzerts gehört: der gemeinsame Auftritt. Da tanzen Jodler zu Naga-Klängen, versuchen sich Naga-Sängerinnen im «Graad hebe», und beide zusammen legen dem Khoomi-Sänger den musikalischen Teppich aus. Das Ganze endet dann in einer veritablen Polonaise, Standing Ovations inklusive.

... und Geschenke

Geschenke aus Nagaland: Rebekka Sutter, Stephan K.Haller, Andy Roth und Andreas B.Müller sind darob sichtlich gerührt.

Zuvor aber gab es Geschenke von den Naga: Für Rebekka Sutter, die es möglich machte, für Intendant Stephan K. Haller, OK-Präsident Andy Roth und Andreas B. Müller, den Geschäftsleiter der Klangwelt Toggenburg. «Wir haben uns sehr gefreut und waren gut aufgehoben hier», sagte der die Naga begleitende Father Francis.

Text und Bilder: Reto Neurauter
© 2010 Werdenberger & Obertoggenburger - Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung
 
Juchzende Kopfjäger aus Nagaland
15. Mai 2010

Erst nach einer sechstägigen Odyssee mit Auto, Bus und Flugzeug sind die zehn Mitglieder eines indischen Bergvolkes am Klangfestival «Naturstimmen» in Alt St. Johann eingetroffen. Morgen singen sie im ökumenischen Gottesdienst.

Kennt jemand seinen eigenen Namen nicht, weil er in der Familie lediglich Kind Nummer drei genannt wurde, kriegt er auch nur schwer eine Geburtsurkunde, geschweige denn einen Pass für seine erste Reise ins Ausland. So ist es den zehn Mitgliedern der Künstlergruppe aus dem indischen Bundesstaat Nagaland ergangen.


Die «Juchzer» der Naga aus Nordostindien klingen am «Naturstimmen-Festival» in Alt St. Johann verblüffend ähnlich wie die der hiesigen Jodler.

Vor zweieinhalb Jahren entstand die Idee, eine Gruppe des Bergvolkes an das Klangfestival «Naturstimmen» der Klangwelt Toggenburg nach Alt St. Johann einzuladen. Vergangenen Sonntag sind sie nach langer Reise im Toggenburg eingetroffen – dank Hilfe der Klangwelt Toggenburg und des Völkerkundemuseums der Universität Zürich. Am «Naturstimmen-Festival» geben sie an Konzerten und in einem Workshop Einblick in ihre Kultur. Gleichzeitig erfahren sie während ihres Aufenthalts viel über die hiesige Lebensweise. Zum Beispiel mussten sie erst lernen, wie man einen Wasserhahn zudreht. «Hier ist es anders», lautet das trockene Fazit eines jungen Nagas. Und das mit 76 Jahren älteste Mitglied der Gruppe bestätigt: «Das Speziellste an der Schweiz ist der grosse Unterschied zu unserem Land.» Auch die Konzert-Umgebung war ihnen fremd. Singen gehört bei den Nagas schlicht zum Alltag.

Lange Zeit isoliert
Die Nagas leben in einer bewaldeten Bergregion an der Grenze zwischen Nordostindien und dem nordwestlichen Burma. Seit der Unabhängigkeit Indiens 1947 war Nagaland wegen bewaffneter Konflikte Sperrzone. Erst seit 2001 sind Reisen wieder möglich. Die Ethnologin Rebekka Sutter reist seit mehreren Jahren nach Nagaland. Der Besuch der Nagagruppe in der Schweiz ist vor allem ihr zu verdanken. In ihrer Heimat leben sie in Bambushütten und betreiben Landwirtschaft.

Geisterglaube und Kopfjägerei
Bevor die Naga während der Kolonialzeit mit Gewalt christianisiert wurden, waren sie Animisten. «Sie glaubten an Geister. Für die Naga konnte sich die Seele des Menschen vom Körper lösen und in einen Tigerkörper übergehen», sagt Rebekka Sutter. Die Nagas waren früher auch Kopfjäger, die Menschen aus anderen Dörfern töteten und deren Köpfe ins Dorf mitbrachten. Dies sollte der Dorfgemeinschaft Wohlstand bescheren und die Felder fruchtbar machen. «Mir war vor der ersten Reise deswegen mulmig zumute, doch ich sah rasch, dass es sich um ausgesprochen liebenswürdige Menschen handelte», so Rebekka Sutter. Die Kopfjägerei sei seit den 40er-Jahren vollständig verschwunden – «sie sollte nicht zum Mythos hochstilisiert werden».

Vieles von der alten Kultur ging während der Zwangschristianisierung verloren. Das Liedergut jedoch überlebte. «Ein Lied kann nicht verbrannt werden», sagt Sutter. Die Gesänge der Naga sind archaisch und ähneln dem Naturjodel, wie er auch im Toggenburg und Appenzellerland gepflegt wird. «Überhaupt sind die Nagas einem Toggenburger Bergbauern vielleicht sogar näher, als dieser einem Zürcher Stadtmenschen», so die Ethnologin. «Singen gehörte vor allem bei den älteren Nagas zum Alltag dazu, es war wirklich . Es war mein Traum, dass die Nagas einmal mit Toggenburger Jodlern auf der Bühne stehen.»

Text und Foto: Katharina Rutz
© 2010 Toggenburger Tagblatt - Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung
 
Festival Naturstimmen gestartet
14. Mai 2010

Mit einer fesselnden Begegnung von Musik aus der Ersten und Dritten Welt, gekrönt mit Naturtönen der – vielleicht – Vierten Welt ist am Mittwoch in Alt St. Johann das Naturstimmen Klangfestival gestartet.

Mittwochabend, katholische Kirche, Festivalauftakt – ein Konzert, das exakt dem Geist des Festivals entspricht, die Begegnung zwischen Hiesigem und Fremden. Zu simpel, zu behaupten, es wäre eine Begegnung zwischen Erster und Dritter Welt gewesen, zwischen Schwarz und Weiss, Nord und Süd – diese Begriffe versorgte das Publikum schnell in der untersten Schublade der Allgemeinplätze, die Spannung zwischen den Auftretenden auf der Bühne war von ungewohnter Art.


Die Thokozami Brothers brachten die einheimischen Jodler vom «Säntisgruess» zum Tanzen.

Völkerverständigung
Thokozani Brothers, Jodelclub Säntisgruess und Nino G. hiessen die Begegnungen auf ebendieser Bühne. Nicht Südafrika gegen oberes Toggenburg, nicht Alt St. Johann gegen Berner Seeland und nicht Biel gegen Kapstadt. Stattdessen der gelungene Versuch, traditionelles Liedgut zweier scheinbar extrem weit voneinander entfernter Völker zu verbinden. Als i-Pünktchen dieser Völkerverständigung agierte der Bieler Beat Boxer Nino G. Nicht besser hätte dieser Höhepunkt gewählt werden können.

Nino G. war das Salz in der Suppe und Kontrapunkt zugleich. Denn einerseits erwachte das Eröffnungskonzert erst so richtig als der «Geräuscheklopfer» in der Mitte des Programms auftrat. Andererseits hielt Nino G. den beiden Chören zwar seine – elektrisch verstärkte – Natur-Stimme entgegen, aber er sang nicht, sondern machte, gelinde gesagt, äusserst taktvolle Geräusche.

Gemalte Bilder
Die einheimischen Jodler boten was man von ihnen erwarten konnte: Jodellieder und Zäuerli rund ums bäuerliche Leben. Sie beschrieben den Alpsommer und interpretierten das bekannte «Rond om de Säntis». Ebenfalls vom Leben, von Menschen und Tieren sangen die sieben Thokozani Brothers aus Kapstadt, unverständlich zumeist weil in der Sprache ihres Zulu-Volkes, zum Teil aber auch in Englisch.

Doch trotz einiger hierzulande bekannter Songs (Amazing Grace) und erratischer Tanzgebärden wollte während der ersten Konzertstunde noch keine richtige Stimmung aufkommen. Dies änderte sich schlagartig als Nino G. angesagt wurde. «Auch Nino G. macht was alle hier auf der Bühne machen, er malt Bilder», kündigte Moderator Philipp Kamm den Romand aus Biel an.

Alles live und echt
In der Tat. Mit schier unmöglichen Verrenkungen von Kehlkopf und Lippen erzeugte Nino G. Geräusche, die so gar nichts mit Singen zu tun haben, aber eben doch Erzeugnisse der Naturstimme sind. Doch sind es beim Beat-Boxing nicht bergkristallklare Brust- oder Obertöne und kein geradegehaltenes Fa, sondern effektvolle Nachahmungen wohlbekannter Alltagsgeräusche.


Nino G., der Beat Boxer aus Biel.

Pantomimisch steigt der Künstler auf ein Motorrad, ahmt seine Motorengeräusche erst beim Losfahren nach und dann beim Absterben des Motors mitten auf der Fahrt. Oder er plärrt in der nervenzerreissenden Tonlage eines weinenden Säuglings, der seinem Drang nach sofortiger Flüssignahrung Ausdruck gibt. «Es ist reinstes Multitasking», sagt Kamm zur Erklärung. Auch Nino G. erläutert im Gespräch, dass er mit Brust, Kehlkopf und Lippen gleichzeitig Geräusche macht.

So erklärt es sich, dass mitten in einer chaotischen Geräuschkulisse ein gesprochener Satz zu hören ist, und man fragt sich, ob da nicht doch im Hintergrund eine Playback-Anlage läuft. «Nichts dergleichen», beteuert Nino G., «es ist alles live und echt.» Mit dem Intermezzo des Beat Boxers nahm das Eröffnungskonzert des vierten Naturstimmen Klangfestivals die Fahrt auf. Denn Nino G. verfügt auch über komödiantische Talente und so sorgte er mit gestenreichen Geräusch-Geschichten für unterhaltsame Auflockerung. Damit war auch die Anspannung bei den Chören gelöst, schliesslich vereinigte man sich, gemäss der Tradition des Festivals, zum bewegenden Schluss-Einsatz. Da sah man Toggenburger Bauern-Arme und -Beine in Zulu-Tanz-Manier schwingen und die Südafrikaner steckten zum Widerspiel die Hände in ihre Hosentaschen.

Text und Bilder: Michael Hug
© 2010 Toggenburger Tagblatt - Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung
 
Stephan K. Haller - Ein Meister der Improvisation
14. Mai 2010

Er fragt nicht nach dem Verursacher eines Problems, er löst es lieber. Stephan K. Haller ist ein Macher – ein Kulturmacher. Begonnen hat er damit bereits im Alter von 15 Jahren, als er eine belgische Komikergruppe in die Schweiz holte und einen Auftritt für sie organisierte – damals noch mit väterlicher Defizitgarantie. Heute ist Stephan K. Haller künstlerischer Leiter der Klangfestivals der Klangwelt Toggenburg. Aktuell hat er deshalb zahlreiche Probleme zu lösen.

Seit Mittwoch läuft das Klangfestival «Naturstimmen» in Alt St. Johann. «Es gibt immer eine Lösung, selbst bei Dingen, die ich nicht steuern kann. Können beispielsweise wegen erneuter Aschewolken Musiker nicht anreisen, sind einzig Lösungen entscheidend.»

Der pingelige Chaot
Damit ein Klangfestival wie das «Naturstimmen» mit zehn Konzerten, vierhundert Musikern aus der ganzen Welt und einem Rahmenprogramm aus Referaten, Workshops und Klang-Ausflügen ohne grössere Zwischenfälle abläuft, brauche es eine minutiöse Vorbereitung. Hier wird der sonst kreative Chaot Stephan K. Haller zum pingeligen Planer. Jede Viertelstunde des Anlasses ist dokumentiert, jede Fahrt und jedes Essen geplant. «Wir müssen mit völlig anderen Kulturen umgehen, so hat beispielsweise die Zeit für Musiker aus Asien oder Afrika eine völlig andere Bedeutung», sagt Haller.


Kultur als Leidenschaft: Der Programmleiter des Klangfestivals Naturstimmen, Stephan K. Haller.

Das Festival geht er deshalb mehrmals in Gedanken durch, damit auch das Unvorhergesehene vorausgesehen werden kann. «Und wenn nicht bin ich ein Meister der Improvisation», so der Kulturmacher. «Das ist mir mittlerweile ans Herz gewachsen. Wenn die Nervosität steigt und ich nicht mehr schlafen kann, wird viel Energie frei, das gefällt mir.» Obwohl er während des Anlasses nie auf der Bühne zu sehen ist, hält er die Fäden in der Hand, initiiert und begleitet im Hintergrund. Am «Naturstimmenfestival» verbinden sich Klänge aus verschiedenen Regionen. Stephan K. Haller sucht stetig nach neuen Kombinationen und probiert Aussergewöhnliches aus. Dieses Jahr hat er den Beatboxer Nino G. eingeladen. «Davon liessen sich die Traditionalisten zwar nur ungern überzeugen, doch für mich passt er ans Festival und gehört er zusammen mit Jodlern auf die Bühne.»

Alle sieben Jahre neu
Ins Toggenburg verschlug es Stephan K. Haller zufällig. Mit in die ländliche Gegend brachte er sein Kultur-Netzwerk, das er sich als Kulturjournalist oder als Inhaber einer Kleinkunstagentur erarbeitet hatte. Etwa alle sieben Jahre stellte er sich bisher einer neuen Herausforderung. «Ich setze Ideen um, die Verwaltung überlasse ich gerne jenen, die es besser können.» Sieben Jahre war der gelernte Kindergärtner Chefredaktor des Toggenburger Tagblattes und sieben Jahre Programmleiter des Lichtensteiger Kleintheaters «Chössi». Bereits weitere sieben Jahre ist er beim Toggenburger «Büro für Ideen und Lösungen» tätig. Dem «Naturstimmenfestival» will er weiterhin treu bleiben. Kultur ist seine Leidenschaft. In der Freizeit jammt er gerne mit seinen drei Söhnen oder Freunden.

Text und Bild: Jörg Krummenacher
© 2010 Toggenburger Tagblatt - Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung
 
DRS 1: Naturstimmen im Toggenburg - Interview mit Peter Roth
12. Mai 2010

Obertongesänge vermischen sich mit Russischen Volksweisen, archaische Nagaklänge mit Toggenburger Naturjodel. Zum vierten Mal treffen sich vom 12. bis 24. Mai Chöre und Solostimmen zum Klangfestival «Naturstimmen» in Alt St. Johann. Das Festival im Toggenburg findet zum vierten Mal statt. Mehr als 400 Künstler aus verschiedenen Ländern wie Südafrika, Tibet, Russland, Iran, Serbien, Norwegen, Nagaland-Indien, Korsika und Frankreich stehen gemeinsam mit Schweizer Formationen auf der Bühne.

Der künstlerische Leiter Peter Roth, Musiker, Komponist, Chor- und Kursleiter, erzählt, wie es dazu gekommen ist.

» Interview auf DRS 1
 
Erstmals Aufnahmen für Live-CD
10. Mai 2010

Zum zweiten und letzten Mal steht Andreas Roth an der Spitze des Organisationskomitees des Klangfestivals Naturstimmen der Klangwelt Toggenburg. Es ist die vierte Ausgabe des inzwischen renommierten Anlasses für Musikfreunde. Für neun von zehn Konzerten gibt es noch Tickets.



Noch eine Woche bis zum Start des vierten Klangfestivals Naturstimmen der Klangwelt Toggenburg. Was beschäftigt Sie gerade?
Andreas Roth: Alle Ressorts sind an der Detailarbeit. Die Planung der rund 20 stetigen Helfer, die Koordination der anreisenden Musiker, der Vorverkauf, der reibungslos funktionieren muss – all dies beschäftigt uns. Jetzt ist die Zeit, Lösungen für offene Punkte zu finden. Die Anspannung aber auch die Vorfreude auf das diesjährige Naturstimmenfestival steigen.

Gibt es noch viele offene Punkte?
Andreas Roth: Die gibt es immer. Zum Beispiel findet von Montag bis Mittwochmittag der Aufbau statt. Wird dieser wirklich so, wie wir es uns vorstellen? Können alle Musiker – insbesondere die Naga aus Indien – reibungslos anreisen? Wir sind aber dieses Jahr rund zwei Monate früher mit der Planung als andere Jahre. Für mich zählen ausserdem nicht die Probleme, sondern die Lösungen.

Warum gerade die Anreise der Naga, gab es Probleme damit?
Andreas Roth: Es war ein langer Prozess bis wir alle nötigen Bewilligungen und Visa erhalten haben. Jetzt ist die Gruppe auf dem Weg in die Schweiz. Dass sie
an dieses Naturstimmenfestival kommen kann, ist Rebekka Sutter und Stephan K. Haller zu verdanken, die seit drei Jahren auf dieses Ziel hinarbeiten.

Der Vorverkauf ist gut angelaufen. Wie ist der Stand jetzt?
Andreas Roth: Wir begannen mit dem Vorverkauf rund zwei Monate vorher als bei den letzten Festivals und sind bis jetzt zufrieden. Rund drei Viertel der Konzerttickets sowie die 200 Wochenpässe sind weg. Jedoch gibt es für neun von zehn Konzerten noch freie Plätze. Den Interessierten möchten wir empfehlen, den Vorverkauf zu nutzen.

Mit wie vielen Gästen rechnen Sie am diesjährigen Festival?
Andreas Roth: Wir hoffen auf 4500 bis 6000 Gäste insgesamt. Pro Konzert rechnen wir mit bis zu 500 Zuhörerinnen und Zuhörern.

Welches sind Ihre persönlichen Highlights der diesjährigen Ausgabe?
Andreas Roth: Ich freue mich natürlich auf das ganze Festival, jedoch insbesondere auf die zwei Konzerte «Alptransit» von Peter Roth, da es etwas Neues ist. Und ich als junger Mensch freue mich auch auf das erste Konzert mit Nino G., einem der interessantesten Schweizer Beatboxer. Schliesslich bin ich auch sehr gespannt auf das Einstimmen, das offene Singen für alle von Montag bis Donnerstag. In der heutigen digitalisierten Welt finde ich das gemeinsame, unkomplizierte Singen sehr wertvoll.

Das Einstimmen ist neu im Programm. Neu ist auch das Kinderkonzert. Wie kam es dazu?
Andreas Roth: Der Jodel hat hier eine starke Verankerung. Die Erwachsenen geben den Kindern diesen Gesang im Stall, auf der Alp oder zu Hause in der Stube weiter. Deshalb entstehen auch Kinder-Jodelchöre. Auch diesen wollen wir innerhalb dieses grossen Anlasses mit Top-Künstlern eine Plattform bieten. Wir wollen ihr Schaffen zeigen und dies vor allem auch den Familien. Das Kinderkonzert ist ein Familienangebot, welches das Naturstimmenfestival noch umfassender macht.

Auch das Jodelsymposium ist ein neuer Programmpunkt. Was ist das Ziel?
Andreas Roth: Die Klangwelt hat das Ziel, Klangkompetenz aufzubauen. Dazu gehört es auch, Wissen rund um den Klang zu vermitteln. Dies geschieht auf einfacher
Basis auf dem Klangweg und vertieft in den beliebten Klangkursen. Mit diesem ersten Symposium verwirklichen wir die schon lange bestehende Idee, verschiedene
Themen rund um Klang stark vertieft zu bearbeiten. Dies soll der erste Anlass einer ganzen Symposium-Reihe werden, gerade auch hinsichtlich des geplanten
Klanghauses. Das Jodelsymposium entstand in Zusammenarbeit mit der bekannten Jodlerin Nadja Räss. Wir haben bereits 80 Anmeldungen – es gibt aber immer noch
Platz für Interessierte.

Was für Leute haben sich an das Jodelsymposium angemeldet?
Andreas Roth: Es haben sich Musikinteressierte, Studierende, Chormitglieder und Dirigenten angemeldet.

Gibt es weitere Neuerungen?
Andreas Roth: Dieses Jahr werden die Konzerte für eine Live-CD aufgenommen. Sie kann am Festival bestellt werden und wird im Sommer veröffentlicht. Gäste können
so die Konzerterlebnisse erstmals nach Hause mitnehmen.

Dieses Naturstimmenfestival ist Ihr zweites als OK-Präsident. Wie ist das im Vergleich zum ersten Mal?
Andreas Roth: Ich habe einen besseren Überblick und die Fäden vermehrt in den eigenen Händen. Wir sind zudem ein eingespieltes Team, fast identisch wie vor
zwei Jahren. Das macht es sehr motivierend zu arbeiten und die einzelnen Ressorts arbeiten entsprechend professionell.

Werden Sie auch eine dritte Ausgabe als OK-Präsident leiten?
Andreas Roth: Nein, ich werde dieses Amt abgeben, da ich mich örtlich verändern und im Herbst in Luzern ein Masterstudium beginnen werde. Wir sind aber bereits
im Gespräch um eine Nachfolgelösung. Das Festival zu diesem Zeitpunkt zu übernehmen, ist wunderbar, denn es steht auf gesunden Beinen und alles ist gut
strukturiert. Es wird bestimmt weitergehen.

Wie sehen Sie die Zukunft des Naturstimmenfestivals?
Andreas Roth: Der Kern soll beibehalten werden – sprich: Einheimische Formationen treffen auf Gäste aus aller Welt – denn dies macht die Einzigartigkeit des Festivals aus. Dennoch soll der Rahmen auf eine gute Art und Weise weiterentwickelt und in die Gesamtstrategie der Klangwelt eingepasst werden.

Hat Sie die Arbeit im Organisationskomitee des Naturstimmenfestivals auch persönlich weitergebracht?
Andreas Roth: Die Zusammenarbeit in diesem gut funktionierenden Team war eine Art Weiterbildung für mich und eine enorm wertvolle Erfahrung.

Autorin: Katharina Rutz
© 2010 Toggenburger Tagblatt - Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung

 
«Naturstimmen» mit einer Klangreise durch die Alpen
21. April 2010

Vom 12. bis 24. Mai findet das internationale Klangfestival «Naturstimmen» in Alt St. Johann statt. Peter Roth sorgt mit seinen Konzerten «Alptransit» für eine beeindruckende Klangreise durch die Alpen.

«Alptransit – ein Klangreise» heisst das neue Projekt von Peter Roth, Musiker, Komponist und Initiant der KlangWelt Toggenburg, welches anlässlich des Klangfestivals Naturstimmen Premiere feiert. Zusammen mit dem Chorprojekt St. Gallen realisiert er regelmässig Programme, welche die Grenzen zwischen Zeit, Stilen und Kulturen sprengen. In den beiden Konzerten «Alptransit – eine Klangreise» am Samstag, 22. Mai (20 Uhr, Katholische Kirche Alt St. Johann) und am Montag, 24. Mai (17 Uhr, Katholische Kirche Alt St. Johann) verbinden sich Madrigalkompositionen mit polyphonen Gesängen aus Korsika und Naturjodel aus dem Alpstein. In diesen Formen von mediterranem und alpenländischem Vokalgesang begegnen die Konzertbesucherinnen und Konzertbesucher einer berührenden Farbigkeit der Stimmen und einem Zeitgefühl, das sie Jahrhunderte zurückversetzen wird. Als verbindende Stimme werden die Saxofonimprovisationen über den Stimmen der Sängerinnen und Sänger tanzen. «Alptransit ist eine unvergessliche Klangreise durch die Alpen, wie sie nur im Rahmen des Klangfestivals «Naturstimmen» zu erleben ist.

Tradition aufleben lassen
Bereits im Jahre 1588 erschien die Sammlung «Musica Transalpina», welche die englische Übersetzung, der in Italien komponierte Madrigale enthielt. Damit war der Grundstein für die Entwicklung des Englischen Madrigals während der Regierungszeit von Elisabeth I. (1558 bis 1603) gelegt. Das Chorprojekt St. Gallen erarbeite unter der Leitung von Peter Roth mehrere fünf- und sechsstimmige Kompositionen der wichtigsten Vertreter der englischen Madrigalkunst, darunter William Byrd, Thomas Morley, John Wilbye und Thomas Weelkes. Mit diesen ruhig fliessenden und farbenprächtigen Kompositionen wurde die Basis für das Projekt «Alptransit – eine Klangreise» gelegt.



Gäste aus Korsika
Bei der exklusiven Klangreise ist auch die aus Korsika stammende Formation «A Cumpagnia» mit an Bord. Von Liebe, Hass und der korsischen Kultur erzählt die Musik der erfahrenen Formation. 1978 wurde die Gruppe mit dem Ziel gegründet, das musikalische Erbe der Insel zu bewahren. Die einzigartige Zusammensetzung von polyphonen und monophonen Stimmen ermöglicht eine faszinierende Klangreise durch ein breites Repertoire aus geistlichen und weltlichen Liedern. Sowohl in den weltlichen als auch in den geistlichen Liedern ist die frühe Mehrstimmigkeit der Renaissance hörbar: Der Cantus firmus befindet sich in der Mittelstimme (seconda), wird von der Unterstimme (bassa) gestützt und darüber schwingt eine verzierte Oberstimme (terza). Projektleiter Peter Roth besuchte die Gruppe in Pigna zum ersten Mal 1993, woraus eine Zusammenarbeit entstand, welche «A Cumpagnia» für Konzerte in die Schweiz und Jodelformationen aus dem Obertoggenburg nach Korsika führte.

Schweizer Musikgeschichte
Nicht vergessen werden darf bei einer spannenden Klangreise die Schweizer Musikgeschichte. Die Hobbysänger Appenzell stehen für guten, gepflegten Gesang, für einen ausgewogenen, sonoren Chorklang und genaue Intonation. Die neun Sänger aus Appenzell – und der Leitung von Dölf Mettler – sind seit vielen Jahren ein gefragtes Ensemble. Als verbindende Stimme werden die Saxofonimprovisationen des bekannten Schweizer Jazzmusikers Albin Brun zu hören sein. Der Luzerner hat zahlreiche eigene Gruppen initiiert und geleitet, darunter der «Interkantonale Blasabfuhr Luzern» und «Albins Alpin» (Pilatus Suite). Heute gehört Albin Brun zu den bekanntesten Musiker und Saxofonisten der Schweiz.

Peter Roth leitet die Klangreise
Geleitete wird die faszinierende Klangreise durch die Alpen von dem renommierten Musiker und KlangWelt Toggenburg Initiator Peter Roth. Der Toggenburger ist freischaffender Musiker und arbeitet als Komponist, Chor- und Kursleiter. Mit dem Chorprojekt St. Gallen veranstaltet er seit mehr als zwanzig Jahren regelmässig Konzerte, die Musik verschiedenster Zeiten und Stile kombinieren («Victoria meets Coltrane» / «Transition» usw.). Mit dem Evangelischen Kirchenchor von Alt St. Johann realisiert er seine eigenen Kompositionen, die Stilelemente der Alpsteinmusik einbeziehen («Toggenburger Passion» / «St. Johanner-Messe» / «Juchzed und singed» etc.). 1993 verlieh ihm die St. Gallische Kulturstiftung den Anerkennungspreis und 2006 wurde ihm der Jahrespreis der St. Gallischen Kulturstiftung zugesprochen.

Kurs mit «A Cumpagnia»
Am Klangfestival Naturstimmen stehen weitere interessante Künstlerinnen und Künstler auf der Bühne. Mehr als vierhundert Musiker aus zehn Ländern sorgen mit erstklassigen Konzerten, interessanten Workshops und spannenden Referaten für einen exklusiven Kulturaustausch. Unter anderem sind in diesem Jahr die aus Serbien stammenden «Teofilovic Twins», eine Gruppe aus Naga (Indien) sowie die «Thokozani Brothers» und «Ubuhle Be Afrika» aus Südafrika mit dabei. Zusammen mit bekannten Schweizer Künstler, wie beispielsweise die Jodlerin Nadja Räss oder die Jazzsängerin Litte Spinnler, ergibt sich ein faszinierendes Klangerlebnis, dem man nur am Klangfestival «Naturstimmen» im Toggenburg beiwohnen kann.

Beliebt sind auch die zu «Naturstimmen» stattfindenden Kurse. Unter anderem können Interessierte bei einem Mitglied der aus Korsika stammende Formation «A Cumpagnia» mitsingen. Die Kursteilnehmer erhalten einen Einblick in die Gesangskunst der Korsischen Gruppe. Dabei wird intensiv gesungen und geprobt und die Gäste werden bereichert nach Hause gehen.
 
Silbriger Hackbrettklang
12. April 2010

Dieses Wochenende stand das Hackbrett in Alt St. Johann im Zentrum. Musiklehrer Walter Märki aus Wattwil präsentierte sein neues Heft und sechs Formationen fanden sich zum Konzert.

«Silbrig und perlend ist der Klang des Hackbretts», sagt Peter Roth. Er begann bereits in jungen Jahren, im Lehrerseminar, auf dem Instrument zu spielen. Er kam eher zufällig dazu, begründete jedoch später zusammen mit Hugo Kamm im Toggenburg das Wiederaufleben der traditionellen Striichmusig, zu deren Originalbesetzung das Hackbrett dazu gehört. Mittlerweile spielen im Toggenburg sechs Formationen mit dem Hackbrett.


Sieben Striichmusig-Formationen auf der Bühne: Fulminantes Konzert zu Ehren des Hackbretts am Samstag in der Propstei Alt St. Johann. Bild: Katharina Rutz

Sieben Mal mit Hackbrett
Zusätzlich zu den einheimischen trat am Samstagabend in der Propstei Alt St. Johann eine Südtiroler Formation auf. Sie machten gleich den Anfang des Konzertes. Danach spielte die Schlorzimusig. Als eine Mischung aus Churfirsten und Tennessee kündigte sie Peter Roth an. Nach den eher älteren Registern trat die Kapelle Männertreu mit Hansueli Hersche und seinen beiden Söhnen auf, die ihr musikalisches Handwerk beide bei Willi Valotti erlernt hatten. Dass die Striichmusig im Toggenburg Familiensache ist sah man zudem an den beiden Formationen Familiestriichmusig Rosebüel und der Toggenburger Original Striichmusig mit Vroni und Hugo Kamm. Tochter Barbara Kamm wiederum spielt in der Brandhölzler Striichmusig. Sie war es auch, die das Konzert organisierte. «Es war wohl nicht ganz einfach, von allen sechs Formationen die Stücke zusammenzutragen», würdigte Peter Roth ihr Engagement. Auch die jüngste Formation im Bunde trat auf. Malefiz ist allerdings nicht mit einem Hackbrett, sondern mit dem verwandten Instrument Zimbal, gespielt von Urs Grob aus Brunnadern, besetzt. «Der Physikstudent tüftle daran. Er experimentiert halt gerne», meinte Peter Roth.

Zwischen den Auftritten mit je drei Stücken führte Peter Roth durch die Geschichte des Hackbretts im Toggenburg. Aus den 20er- und 30er-Jahre sind im Toggenburg noch einige Striichmusig-Formationen bekannt. So zum Beispiel die Familienstriichmusig Hüeberli aus Stein. Noch bis Mitte der 40er-Jahre war das Hackbrett im Toggenburg in Gebrauch. Der letzte Musiker und Hackbrett-bauer war Hannes Grob. Dann gab es eine Pause bis sich 1966 die zwei jungen Lehrer Hugo Kamm und Peter Roth ins Toggenburg verirrten. Die Lehrer vermochten auch ihre Schüler für das Instrument zu begeistern und so gründete Peter Roth mit den Büeler-Schüelern wieder eine Original-Striichmusig. Der Samen war gesät, heute ist die Anzahl der jungen Musikerinnen und Musiker in den sechs Toggenburger Formationen beachtlich.

Neues Notenheft
Für die Jungen – für seine Musikschüler – schrieb auch Walter Märki den einen oder anderen Tanz um eine Tonart zu fördern oder einen passenden Schwierigkeitsgrad zu erreichen. Auch aus der eigenen Spielfreude schrieb der Hackbrettbauer Stücke. Er präsentierte am Samstagnachmittag sein neues Notenheft für Hackbrett. Unterstützt wurde er dabei vom Zentrum für Appenzellische Volksmusik sowie von der Musikschule Toggenburg. Am Sonntag fand ausserdem ein Gottesdienst mit Hackbrettmusik statt.

Autorin: Katharina Rutz
© 2010 Toggenburger Tagblatt - Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung
 
«Frauenklang» überrascht in einer Männerdomäne
29. März 2010

Jodeln ist Männersache – zumindest im Toggenburg und rund um den Alpstein. Erst in den letzten Jahren wagten sich mehr und mehr Frauen in die regionalen Jodelchörli. Eine mögliche Erklärung: Im Toggenburg gingen die Männer «z’Alp» und pflegten dort das Jodeln. In anderen Gegenden, zum Beispiel im Tirol, gingen die Frauen auf die Alp. Deshalb jodeln dort die Frauen. Doch nun ändert sich dies auch im Toggenburg radikal.

Die Idee stammt von Stephan Haller, dem Mitorganisator der drei Festivals «NaturStimmen», «SaitenWind» und «Rockbrett»: Er suchte im Rahmen des Klangfestivals «NaturStimmen» für das Konzert «Frauensonntag» am 16. Mai Jodlerinnen für eine reine Frauengruppe.

Das Vorhaben gelang, denn eine Frau fand die andere – und auch Männer halfen mit, weitere Frauen zu finden. Schliesslich war ein Quintett aus «gestandenen » Sängerinnen und Jodlerinnen beisammen. Annelies Huser- Ammann aus Alt St. Johann ist Leiterin des Churfirsten-Chörlis und singt im Kirchenchor. Klara Brändle-Looser aus Wildhaus leitet das dortige Schafbergchörli und bildet zusammen mit Hedy Näf das Schwendisee-Duett. Marlene Metzler-Schilter aus Nesslau sang im Quartett Wyssberg, das sie nach dem Festival wieder aufleben lassen will. Sonja Lieberherr-Schnyder aus Ebnat- Kappel singt in der Jodlergruppe Stockberg Nesslau; Heidi Anliker-Roth aus Wald ZH dirigiert den Jodelclub Thurtal und den Jodlerklub Benken und singt dort mit.

«Es war aber nicht einfach, die Frauen zu finden. Denn jede muss auf ihrer Stimme sicher sein. Und zwar aus drei Gründen: Jede ist auf ihrer Stimme alleine. Wir wechseln in den verschiedenen, vier- bis fünfstimmigen Liedern die Stimmlage. Und es bleiben uns nicht viele Wochen Zeit bis zum Auftritt», sagt Marlene Metzler. Kommt dazu, dass die Naturjodel-Lieder für Männer geschrieben wurden. «Wir müssen uns, was Lautstärke, Modulation und Dynamik anbelangt, anpassen. Wir haben auch gemerkt, dass sich nicht alle Jodel für eine reine Frauengruppe eignen», erzählt Annelies Huser. Und Sonja Lieberherr ergänzt: «Ich finde es spannend, nur mit Frauen zu singen und ‹z’johle›, gerade weil wir zum Teil anders singen müssen.»


Zwei Gruppen, zwei Musikstile? Die Bilder zeigen Heidi Anliker, Klara Brändle, Sonja Lieberherr, Marlene Metzler und Annelies Huser (von links) an verschiedenen Probentagen. Die Kleider suggerieren dem Betrachter unterschiedliche musikalische Erwartungen. (Bilder: Hanspeter Thurnherr/Stephan Haller)

Während einige Jodellieder a cappella erklingen, werden andere instrumental begleitet. Die Suche nach geeigneten Instrumentalistinnen löste sich elegant. Heidi Anliker spielt Akkordeon – und brachte gleich ihre Schwester Annamarie Knechtle-Roth aus Teufen als Bassistin mit.

Die sechs Frauen treffen sich wöchentlich im Saal des evangelischen Kirchgemeindehauses in Alt St. Johann zur Probe. Für den Besuch des W&O erschienen sie sogar in der Toggenburger Werktagstracht, während sie normalerweise natürlich in Alltagskleidern proben. Beim Auftritt am «Frauensonntag» werden sie dann in der Toggenburger Sonntagstracht auftreten. Stellt man die Aufnahmen in den unterschiedlichen Kleidern nebeneinander (wie auf dieser Seite), zeigt sich etwas Interessantes: Kleider wecken akkustische Erwartungen. Oder können Sie sich vorstellen, dass die Frauen auf dem oberen Bild etwas anderes singen als Jodellieder? Und suggeriert das untere Bild nicht eher eine Gospel-, Country- oder Musical- Gesangsgruppe?

Bei den Proben ist auch ein Mann dabei: Peter Roth, der bekannte Musiker, Komponist und Künstlerische Leiter des Festivals «NaturStimmen», hört aufmerksam zu, gibt hier und dort einen Tipp. Nach seiner Funktion gefragt, sagt er schmunzelnd: «Ich bin eine Art Coach, aber der englische Begriff – das passt doch irgendwie nicht zum Jodeln.» So lassen wir die richtige Funktion einfach offen. Schliesslich zählt das Ergebnis. Und da ist das «Frauenklang»-Sextett froh um seine Ratschläge.

Das Programm von «Frauenklang» umfasst traditionelle, überlieferte Naturjodel aus dem Toggenburg und traditionelle Jodellieder aus der Region rund um den Alpstein und der Schweiz. Allerdings haben sie auch eine Überraschung bereit, die wir hier nicht verraten wollen.

Ein Jodel hat es den Frauen besonders angetan: Der Anna-Koch-Jodel, ein Appenzeller Frauenjodel mit einer besonderen, makaberen Geschichte. Anna Koch wurde 1849 im Alter von 18 Jahren – als eine der letzten Frauen in der Schweiz – geköpft, weil sie eine Rivalin umgebracht hatte. Gemäss einer Sage soll sie auf dem Scheiterhaufen (hier irrt die Sage) gejodelt haben. Auf jeden Fall ähneln gewisse Passagen im zweiten Teil des Jodels menschlichem Schreien. «Ich habe diesen Jodel auf einer alten Schallplatte gehört – gejohlt von zwei Frauen», erzählt Annelies Huser und klärt auf: «Im Toggenburg sagen wir nicht jodeln, sondern ‹johle›.» In einem alten Büchlein hat sie dann auch Noten gefunden. Annelies Huser: «Normalerweise werden Jodel ja nicht aufgeschrieben. Es existiert kaum Notenmaterial von Toggenburger Naturjodeln. Diese wurden stets mündlich überliefert und erst heutzutage zunehmend auch durch CD-Aufnahmen.»

Jodeln und Singen bereitet nicht nur den Jodlerinnen und Jodlern Freude, sondern auch den Zuhörern. Darüber sind sich alle sechs einig. «Sowohl ältere wie jüngere Leute finden es schön und sagen, dass es ihnen gut tut», erzählt Klara Brändle. Marlene Metzler ergänzt: «Es ist schön, dass wir aus der Seele heraus singen können. Es kommt von Herzen, ist gut fürs Gemüt – und: wo gesungen wird, ist Frieden. Und wir tragen mit Stolz auch unsere Trachten.»

Das Konzert «Frauensonntag» am 16.Mai – dies lässt sich schon jetzt feststellen – verspricht ein besonderer Leckerbissen zu werden. Eigentlich verwunderlich – ja sogar schade, dass es eine solche Formation nicht schon vorher gab. So bleibt zu hoffen, dass ein ähnliches Projekt schon bald wiederholt wird.

Reportage von Hanspeter Thurnherr
» Ganze Reportage als pdf

Quelle: Werdenberger & Obertoggenburger
 
30.4. - 3.5.: Symposium im Schloss Glarisegg «Schwingung, Resonanz, Heilung»
29. März 2010

"... und die Welt hebt an zu singen, triffst du nur das Zauberwort" dichtete einst Joseph von Eichendorff. Der Zauber scheint aus unserer Welt verbannt, doch sind es ausgerechnet Naturwissenschaftler, die mit ihren Erkenntnissen manche der frühen Ahnungen bestätigen. Die Welt vibriert und fließt - wir Menschen stehen im Resonanzfeld zu anderen Menschen, zu der Natur und der Materie.
Wie können wir dieses Wissen für uns und unsere Umwelt nutzbar machen? Was bedeutet Heilung in diesem Zusammenhang?



Als Fachleute mit Vorträgen, Workshops, Demonstrationen und Erfahrungsräumen sind dabei: Dr. med. Rüdiger Dahlke: „Die Schicksalsgesetze – Spielregeln fürs Leben: Polarität – Resonanz – Bewusstsein“, Orna Ralston: Konzert und schamanische Arbeit mit Stimme und Klang, Prof. Dr. med, Dipl.-Psychologe Rolf Verres: „Resonanzraum Therapie“, Alexander Wunsch: „Farben, Töne, Schwingung“, Alexander Lauterwasser: „Resonanz und Schöpfung“ sowie Konzert mit Klang-Wasser-Bildern, Rena Meyer Wiel: „die intuitive Stimme“, Rüdiger Schödel: „BegegnungsLust und Empathie“, Michael Viz Kremiez: „Der Klang der Stille“, Ilona Rothfuchs: „Klang malen“, René Schori: „Klangreise mit alten tibetischen Klangschalen“.

Organisiert und moderiert wird das Symposium durch Stefanie blau. von Schloss Glarisegg, Ort für Begegnung und Bewusst-Sein und Martin Frischknecht, Herausgeber und Chefredaktor von SPUREN – Magazin für neues Bewusstsein.

Neben den Vorträgen und Workshops gibt es für die Teilnehmenden Gesprächsforen und Erfahrungsräume, wo Methoden, Geräte, Impulse erprobt und umgesetzt werden können. Eine Einladung zu forschen, zu üben – und zu staunen!
Wer dabei ist, bringt sich ein und beteiligt sich als Experte/Expertin des eigenen Lebens.

Freitag, 30. April – Sonntag, 2. oder Montag, 3. Mai 2010
Ort: Schloss Glarisegg am Bodensee, CH-8266 Steckborn

» Details
 
Vom Bergbächli zum Berufsdirigenten
24. März 2010

Vom Lied «Bergbächli», das Matthias Ammann von seiner Mutter als Bub gelernt hat, zum Dirigenten mit Studienabschluss war es ein weiter Weg. Dieser führte den Alt St.Johanner an die Musikhochschule nach Luzern und wieder zurück ins Toggenburg.

In Luzern öffneten sich für den Alt St. Johanner Matthias Ammann die Pforten eines der renommiertesten Konzerthäuser der Schweiz, des Kultur- und Kongresszentrums Luzern. Diese Woche wirkte er bei der live Aufführung der Original-Filmmusik von Howard Shore zum dritten Teil der Filmtrilogie «Der Herr der Ringe» mit, und zwar als Sänger im 21st Century Chorus. Ludwig Wicki ist der einzige Dirigent, der sich die Rechte erwerben konnte, die Musik zur Film-Trilogie aufführen zu dürfen. Dies tut er nun mit Orchestern und Chören auf der ganzen Welt. Matthias Ammann hat dem Luzerner Dirigenten und Dozenten an der Musikhochschule Luzern während seines Studiums über die Schultern geschaut. Zudem genoss er Posaunen-Unterricht bei ihm.

Neben dem 21st Century Chorus trat der Toggenburger während seiner Zeit in Luzern auch noch dem Chor Cappella der Hofkirche Luzern bei. Sein viereinhalbjähriges Studium zum Berufsdirigenten schloss Matthias Ammann letztes Jahr mit Bestnoten ab und kam zurück ins Toggenburg.

Viele Chancen
«Ich bin gerne im Toggenburg», sagt der 34jährige Dirigent, der in Alt St. Johann aufgewachsen ist und auch jetzt wieder dort wohnt.

«Ich sehe hier viele Chancen, musikalisch etwas aufzubauen, während in Luzern die Konkurrenz riesig ist», ergänzt er. Die Klangwelt Toggenburg zum Beispiel habe viel Potenzial. Und schliesslich gefällt es dem Toggenburger in seiner Heimat: «Erst wenn man weggeht, merkt man, wie schön die Gegend mit den Churfirsten und seiner gelebten Tradition ist.» Obwohl der gelernte Schreiner erst wieder seit knapp einem Jahr im Toggenburg lebt, ist er bereits vielseitig engagiert.


Der Alt St.Johanner Matthias Ammann verbindet als Dirigent, Musik- und Werklehrer in Nesslau sowie als Schreiner die Kunst mit dem Handwerklichen.
Bild: Katharina Rutz

Seinen ursprünglich erlernten Beruf übt er temporär bei den verschiedenen Schreinereien der Region aus. Zudem arbeitet er als Werk- und Musiklehrer an der Oberstufe in Nesslau. Auch von der Klangwelt Toggenburg ging bald schon eine Anfrage ein. So begann er die Ausbildung zum Klangbegleiter für «Klangwellness» und gab bereits erste Singkurse für die Klangwelt.

Auch am Naturstimmenfestival können Singworkshops mit Matthias Amman besucht werden, an denen einfache Toggenburger Lieder mehrstimmig eingeübt werden.

Peter Roth, Initiant der Klangwelt, übertrug Matthias Ammann zudem die Aufführung seines «Ammanns Vermächtnis» für drei Chöre und ein Instrumentalensemble. Dieses Werk hat Roth vor acht Jahren zum Jubiläum von Alt St. Johann uraufgeführt und es soll im November eine Wiederholung finden.

«Es macht mich stolz, diese Aufführung leiten zu dürfen, ist der berühmte Instrumentenbauer aus doch ein Vorfahr von mir», sagt Matthias Ammann. Zudem erhielt der Dirigent aus fünf Mitbewerbern den Zuschlag, die Bürgermusik Brassband Untereggen zu leiten. Es ist eine in der ersten Güteklasse eingeteilte Musikgesellschaft.

Mit singen hat es begonnen
«Ich habe früher für Touristen gejodelt und Lieder gesungen», sagt Matthias Ammann. Die Lieder habe ihm seine Mutter beigebracht, so sei er zur Musik und zu etwas Sackgeld gekommen. Eines seiner ersten Lieder hiess «Bergbächli». Spitzbübisch grinst er, als er sich daran erinnert, wie er den Kopf in ein Heugebläse steckte und sang, weil es den Klang so schön verstärkt habe. Später, in der Schule, habe er sich mit singen jedoch nicht mehr so hervorgetan. «Für Jungs war das uncool», lacht er.

Doch Klavier spielen, das wollte er mit elf Jahren können. So nahm er Klavierstunden, obwohl er den musikalischen Grundkurs nie gemacht hatte. Die Musiklehrerin Gudrun Hunziker habe zu Beginn auch gezögert, doch er konnte sie dann doch überzeugen. Seiner ersten Klavierlehrerin windet Matthias Ammann noch heute ein Kränzchen. «Ich habe die musikalischen Grundlagen solid bei ihr erarbeitet. Dies hat mir später sehr geholfen», sagt er. Schliesslich fragte ihn auch die Musikgesellschaft Alt St. Johann-Unterwasser an und er begann, die Lyra zu spielen. Mit 18 Jahren fing er an, Posaune zu lernen. Er wollte seinen Militärdienst bei der Militärmusik absolvieren. «Doch mein Können hat damals noch nicht gereicht», erinnert er sich. Zum Dirigieren ist er mit 19 gekommen, als er die Musikgesellschaft Stein übernahm und die kantonalen Dirigenten-Kurse absolvierte.

Ein anderer Dirigent beeindruckte Matthias Ammann damals so sehr, dass er beschloss, das Dirigieren professionell auszuüben. Bis dieses Ziel ihn an die Musikhochschule Luzern führte, vergingen nochmals einige Jahre. In Luzern musste er dann im Posaunenunterricht bei Ludwig Wicki wiederum feststellen, dass er das Instrument noch alles andere als beherrschte. «Täglich eine Stunde üben», empfahl ihm damals sein Lehrer. «Ich dachte, was eine ganze Stunde? Doch dann spielte ich drei Stunden am Tag.» Heute können ihm seine Schüler einen Song aus der Hitparade auf Tonband geben und Matthias Ammann bringt die Noten dazu für den Schulchor auf Papier. Auch ein Musical plant er mit seinen Schützlingen. Der Dirigent möchte zudem versuchen, das Niveau der Blasmusikszene in der Region weiter zu heben und hat auch Interesse am Chorwesen.

Matthias Ammann will die Kultur im Toggenburg zusammen mit der jüngeren Generation fördern. «Die Jodelkultur im Toggenburg ist etwas sehr Schönes und Einzigartiges», sagt er. «Mein Ziel ist es, den Jungen Musik hautnah zu vermitteln. Würden meine Schüler in der Pause zusammen a cappella einen Song singen, das wäre für mich genial.»

Autorin: Katharina Rutz
© 2010 Toggenburger Tagblatt - Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung
 
800 wollen "Klangwellness" testen
15. März 2010

Per Inserat suchte Klangwelt Toggenburg in Zusammenarbeit mit dem St. Galler Tagblatt und einer Zeitung im Süddeutschen Raum Ferientesterinnen und Ferientester für "Klangwellness". Das neue Angebot soll damit bekannter werden.

KATHARINA RUTZ

Alt St. Johann-Wildhaus. Die Anmeldefrist für alle, die das Angebot "Klangwellness" der Klangwelt Toggenburg gratis testen wollen, lief gestern ab. Rund 800 Personen haben sich bis Freitagmittag dafür angemeldet. Sie alle füllten ein Onlineformular aus und beantworteten vier Fragen. Darunter zum Beispiel, was sie am Thema "Klang" besonders interessiere.

150 dürfen testen
Aus allen Bewerbungen werden 150 Personen ausgewählt, die einen dreitägigen Ferienaufenthalt mit zwei Übernachtungen und Verpflegung geniessen und sich dabei mit "Klangwellness" verwöhnen lassen können. Die Kosten der Aktion trägt die Klangwelt Toggenburg, die Hoteliers stellen dazu ihre Infrastruktur zur Verfügung. Drei Gründe führten zu der Aktion: Erstens soll "Klangwellness" bekannter werden, zweitens erhofft man sich Rückmeldungen, wie das Angebot ankommt und drittens können die Klangbegleiter Praxiserfahrung sammeln.

"Obwohl wir zu Beginn viel Werbung für das neue Angebot machten, haben wenig Leute "Klangwellness" gebucht. Probierten sie es dann aber beispielsweise bei einem Skiaufenthalt einmal aus, waren die Gäste begeistert", sagt Christine Bolt, Direktorin von Toggenburg Tourismus. Die Tourismusorganisation ist für die Vermarktung des Klangwelt-Angebots zuständig.

Da heute jede vierte Person aufgrund einer Empfehlung eine Feriendestination auswähle, biete sich eine gratis Testaktion an. Die Mund-zu-Mund-Werbung soll also mit der Aktion angekurbelt werden. Hinsichtlich einer Weiterentwicklung der Angebote ist man bei Toggenburg Tourismus zudem auf das Feedback der Testerinnen und Tester gespannt. Seit September 2009 kann "Klangwellness" in den vier Toggenburger Hotels Sternen und Säntis in Unterwasser sowie Hirschen und Stumps Alpenrose in Wildhaus gebucht werden. Wie viele Buchungen bisher einzig dem neuen Angebot zu verdanken sind, kommunizieren weder Toggenburg Tourismus noch die Hoteliers. Es sei schwierig zu sagen, ob nun das Skiangebot oder "Klangwellness" den Ausschlag für eine Buchung gegeben habe, heisst es bei Toggenburg Tourismus. "Das Produkt ist in dieser Zusammensetzung völlig neu. Erklären lassen sich die speziellen Klangerlebnisse nur schlecht. Man muss es erleben", begründet Christine Bolt die zögerlich anlaufenden Buchungen. Als Zielgruppe für "Klangwellness" sollen über 35jährige, naturverbundene Personen, die einen Bezug zu Kultur und Spiritualität haben, angesprochen werden.

Kein geschützter Titel
Dass es bereits andere Produkte unter dem Titel "Klangwellness" auf dem Markt gibt – so zum Beispiel Klangmassagen und Klangbäder bei Klangwellness Tübingen – ist der Tourismusdirektorin bekannt. Deshalb lasse sich die Bezeichnung auch nicht schützen. Jedoch sei die Kombination des Angebotes mit der einheimischen Tradition und der Klangwelt Toggenburg einzigartig, so Christine Bolt.

Nach fünf Jahren selbsttragend
Das Projekt ist auf fünf Jahre angelegt und erhält von Bund und Kanton 1,1 Millionen Franken im Rahmen der neuen Regionalpolitik. Auch die Toggenburger Gemeinden und toggenburg.ch sprachen zusammen 100 000 Franken an das Gesamtbudget von rund 2,5 Millionen Franken. Dieses Geld floss in die Projektleitung, die Produkteentwicklung, das Marketing und in die Infrastruktur, wobei die Produkteentwicklung am meisten Budget beanspruchte. Bis sich daraus eine Wertschöpfung generieren lässt, braucht es noch etwas Geduld. Spätestens aber nach Ablauf der fünf Jahre sollte das Angebot selbsttragend sein. "Wie jedes neue Produkt braucht auch "Klangwellness" eine gewisse Zeit der Einführung", sagt Christine Bolt.

Quelle: Toggenburger Tagblatt vom 13. März 2010
 
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