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Letzter Schliff der Handwerker an der Klangschmiede
Drei Monate später als geplant, wird Anfang Juli die Klangschmiede in Alt St. Johann eröffnet. Ein Blick auf den Stand der Um- und Ausbauarbeiten zeigt die Ambitionen des bisher grössten Projekts von Klangwelt Toggenburg.
«Bei einem solchen Umbau, bei dem fast alles für fast alle Beteiligten neu ist, kann man nicht alles bis ins Detail planen», sagt Alois Ebneter, Projektleiter bei der Toggenburger Klangschmiede. Auch für den ehemaligen Gemeindepräsidenten von Alt St. Johann ist das Projekt Neuland. «Die Klangschmiede erhält eine Schmiedewerkstatt und ein Hackbrettatelier, so etwas richten auch die beteiligten Handwerker nicht jeden Tag ein.» Die neue Klangschmiede – «sonnenhalb» an der Thur in Alt St. Johann gelegen – wird nicht wie vorgesehen Anfang April eingeweiht, sondern im Juli. «Im Laufe des Mai werden wir den Betrieb testen», verrät der Projektleiter.
Klangkörper und Klangschalen
Die Schmiedewerkstatt im Parterre, das Hackbrett-Atelier im ersten Stock, Klangexperimente und Ausstellungen im zweiten, das Klangwelt-Büro und Gästezimmer für Gasthandwerker im dritten. Die Belegung des 1536 erstmals erwähnten «Hauses zur Mühle» zeigt, worum es beim Projekt geht. Traditioneller, beidseits des Säntis verankerter Handwerkskunst und Musikkultur soll ein neues, bleibendes Zuhause gegeben werden.

Noch klebt der Flugrost an den Schmiedewerkzeugen, aber nicht mehr lange – letzte Ausbauarbeiten.
Die prächtigen Senntumsschellen, wie man sie bei Alpaufzügen und Viehschauen in der Ostschweiz sieht, werden nur noch von einem Tiroler Schmied hergestellt. Um diese Kunst aufleben zu lassen und zu erhalten, wurde die Klangschmiede initiiert. Nun gibt diese Schmiede, in der künftig Klangkörper wie Schellen, Klangschalen und Gongs gefertigt werden, dem Haus seinen Namen.
Ein Hackbrett bauen
Anders liegen die Gründe für das Hackbrettatelier. Dieses Instrument erlebt seit ein paar Jahren einen ungeahnten Boom, was dem Hackbrettbau besonders in der Ostschweiz zu neuer Blüte verholfen hat. «Im Hackbrett steckt dennoch noch viel Potenzial», sagt Hackbrett-Konstrukteur Fredi Zuberbühler. Im Hackbrettatelier will man deshalb der Forschung und Entwicklung im Bereich naturtöniger Saiteninstrumente mit Resonanzkörper breiten Raum geben. Atelier und Schmiede sollen dem Publikum zugänglich sein, sagt Alois Ebneter, jedoch nicht als Museum: «Wir wollen ein lebendiges Haus. Das Publikum wird nach der Eröffnung an jedem ersten Wochenende im Monat den Handwerkern bei der Arbeit zusehen können.» Ausserdem werde es ab Herbst Kurse in Hackbrettbau und Schellenschmieden geben.

Ein Bodenleger bearbeitet den renovierten Parkettboden in der Klangschmiede.
Wasserrad in Betrieb
Zurzeit gehen in der Klangschmiede noch andere Handwerker ein und aus: Schreiner, Elektriker, Bodenleger. Im Parterre wird die Transmission montiert, eine Kraftübertragungseinrichtung, die die Maschinen der Schmiede antreiben wird. Denn neben dem Haus – der Grund, warum das «Haus zur Mühle» hier gebaut wurde – sprudelt eine ergiebige Quelle. Deren Potenzial wird auch künftig genutzt, allerdings mussten das Wasserrad und die Kraftübertragung komplett neu gebaut werden. «Damit können wir auch Strom produzieren», sagt Ebneter. Im übrigen sei der Generator die erste Projektkomponente, die testweise bereits in Betrieb gegangen sei und funktioniere, sagt der Projektleiter nicht ohne Stolz.
Text und Bilder: Michael Hug
Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung Verlag Toggenburger Tagblatt.
Datum: 19.04.2011 12:08




