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Einmal Schmied, immer Schmied

Manfred Zäch ist einer der Schmiede, der schon bald in der Klangschmiede in Alt St. Johann Schellen herstellen wird. 36 Jahre lang hatte er in Mörschwil eine Schmitte mit insgesamt zehn Lehrlingen. Schellen stellt Manfred Zäch aber erst seit drei Jahren her, in seiner Schmitte in Krummenau.

Ganz an den Nagel gehängt hat Manfred Zäch seinen Beruf nicht. Auch seitdem er aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten musste, hat er das Schmieden nicht lassen können. Seit neun Jahren lebt er in Krummenau und zwar nicht irgendwo. Der gebürtige Oberrieter wohnt in der Schmitte von Albrecht Bösch senior, selig, der ihm 1967 die Lehrabschlussprüfung abgenommen hat. «Er würde sich wohl freuen, wenn er wüsste, dass ich seine Schmitte übernommen habe», sagt Manfred Zäch. Als er seine Lehre abschloss, war er 181/2 Jahre alt. Mit 23 Jahren, nach viereinhalb Jahren, in denen er viele verschiedene Berufe ausübte, um möglichst viel zu lernen, kaufte er in Mörschwil eine Liegenschaft. Dort baute er selbst eine Schmitte auf. 36 Jahre lang arbeitete er dort als Schmied. Insgesamt zehn Lehrlinge habe er in seinem Betrieb gehabt. Die Haupttätigkeit in Mörschwil waren das Beschlagen von Pferden und der Kutschenbau.

 

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Manfred Zäch schmiedet in seiner Schmitte in Krummenau seit drei Jahren auch Schellen – hier fertigt er gerade einen Klöppel. Das Brauchtum hat ihn schon immer fasziniert.

 

Schellen fertigt Manfred Zäch erst seit drei Jahren. Um Schellen zu schmieden, brauche es spezielles Werkzeug. Dieses hat er selbst hergestellt, «alles Marke Eigenbau». «Mit einem gewöhnlichen Hammer kommt man nicht an alle Stellen, die man bearbeiten muss», sagt Manfred Zäch. Noch hat er aber nicht alle Werkzeuge beisammen.

Aus alt mach neu
«Da», er zeigt auf ein Stück einer alten Eisenbahnschiene, «daraus werde ich einen Schmiede-Bock für die Schellenschmiede machen.» Dieser Bock werde sich vorne verjüngen, nach dem selben Prinzip wie ein Bügelbrett-Zusatz für Hemdkragen und Ärmel. Die ausgedienten Schienenstücke habe er von seinem Sohn, der bei der Rhätischen Bahn arbeitet. «Die werden sonst zum Alteisen geworfen», sagt Manfred Zäch. Auch sonst ist Manfred Zäch erfinderisch. Das gilt für seine Produkte ebenso wie für das Rohmaterial. Für die Klöppel der Schellen verwendet er Patronenhülsen aus Messing. «Ab und zu <chlöpft> es, wenn ich die Hülsen schmelze, da manchmal noch der eine oder andere Blindgänger darunter ist», erzählt er. Die Hammer fürs Schmieden von Schellen hat er aus einer alten Antriebswelle eines Saurer-Lastwagens gefertigt.

Begeistert vom Brauchtum
«Auf die Idee Schellen zu schmieden bin ich gekommen, weil mich das Brauchtum schon immer interessiert hat», erzählt er. Auch seine übrigen Arbeiten, die für ihn mehr Hobby als Beruf sind, haben mit Brauchtum zu tun. Er fertigt beispielsweise spezielle Hammer fürs Schindeln, verzinnt Nidelzune-Pfannen oder stellt aus gefundenen Stecken Wanderstöcke her. «Was nicht so aussehen darf wie früher, das mache ich erst gar nicht», betont er. Im vergangenen Jahr hat er über 300 Schellen und Glocken repariert. «Im Moment habe ich einen schwierigen Patienten», sagt er und hebt eine Schelle hoch, um sie zum Klingen zu bringen. «Sie scherbelt im Nachklang», lautet seine Diagnose. Um die Ursache zu finden, werde er zuerst die Nieten nachziehen. Wenn die Schelle immer noch scherble, werde er sie mit Wasser füllen. Falls Wasser austrete, wisse er zumindest, wo die Schelle einen Riss habe. Schweissen werde er die Stelle gegebenenfalls von innen. «Das hat den Vorteil, dass man der Schelle von aussen nichts ansieht», begründet Manfred Zäch. Selbst hergestellt habe er in den letzten drei Jahren zehn bis zwölf Schellen, «gerade so viele, wie ich Blech hier hatte». Die letzte sei ihm etwas zu flach und zu klein geraten, meint er selbstkritisch. Das Schwierigste beim Schellenschmieden sei nämlich die Grösse des Blechstücks auszuschneiden. «Dabei verschätzt man sich schnell. Es trügt unglaublich, was die Krümmung am Ende ausmacht.» Zur Klangschmiede in Alt St. Johann sei er über Peter Roth gekommen. «Er war schon einmal bei mir und frage mich, ob ich Interesse hätte», sagt Manfred Zäch. Von den Schellenschmieden werde er am häufigsten in Alt St. Johann sein, zumindest so lange es seine Gesundheit zulasse. Dort werde er dann die selbst gefertigten Schmiede-Böcke fest installieren.

Eine Börse fürs Brauchtum
Die Arbeit wird ihm so schnell nicht ausgehen. Manfred Zäch organisiert dieses Jahr bereits die zweite Schellen- und Brauchtums-Börse. «Die erste lief wie verrückt, obwohl es sintflutartig geregnet hat.» Die zweite Ausgabe sieht vielversprechend aus: Um die dreissig Aussteller haben sich dieses Jahr angemeldet. Eine gute Ländlerkapelle habe auch bereits zugesagt – «die gehört einfach dazu».


Text und Bild: Matthias Giger
Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung Toggenburger Tagblatt


Datum: 03.05.2011 10:43

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Unter dem Namen „KlangWelt Toggenburg“ werden seit 2003 Aktivitäten und Angebote zusammengefasst, welche die wichtigsten Formen der Musikkultur zwischen Säntis und Churfirsten in der Ostschweiz vermitteln: den Naturjodel, den Alpsegen, die Schellen als Elemente der Alpkultur und das Hackbrett als naturtöniges Saiteninstrument in der Tanzmusik. Kennzeichnend für diese einzigartige, in der einheimischen Bevölkerung stark verwurzelte Klangkultur sind die untemperierten Naturtöne, welche überraschende Verbindungen zu anderen Musikkulturen in Europa, Afrika und Asien herstellen. Gerade solche Brückenschläge zwischen lokaler und fremder Kultur, aber auch die Spannungsverhältnisse zwischen Tradition und Avantgarde, zwischen Spiritualität und Alltäglichkeit, zwischen freiem Experiment und strenger Form machen die Lebendigkeit von KlangWelt Toggenburg aus. KlangWelt Toggenburg bietet vielfältige Erlebnisse zum Thema Klang in Klangkursen, auf dem Klangweg, bei Klangfestivals und Konzerten, mit Klangwellness, in der Klangschmiede und in ein paar Jahren auch im Klanghaus am Schwendisee.